Heiß diskutiert: Vor- und Nachteile der Osttangente

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Die Diskussion um das Für und Wider zum Thema Osttangente reißt nicht ab. Täglich erreichen uns neue Leserbriefe, die von Sachkenntnis und Engagement zeugen. Im folgenden veröffentlichen wir eine kleine Auswahl daraus.

Rainer Düvelshaupt, Hamburg 62: In guter Erinnerung sind Berichte, nach denen das Parkplatzangebot in der Stadt nicht vergrößert werden soll. Vielmehr soll durch erhöhte Parkgebühren ein gewisser "Abschreckungseffekt" erzielt werden. Was also zwingt die Planer, mit der Osttangente einen ungeheuer aufwendigen Anreiz für die Benutzung eines Autos in die City zu bieten? Mir erscheint diese zusätzliche breite Betonschneise im Hamburger Norden sehr abschreckend, zumal die Langenhorner Chaussee deshalb ja keinesfalls zur Spielstraße wird. Im übrigen ist in Höhe der Essener Stra- ße, wo die Osttangente Geländeniveau haben wird, ein Neubaugebiet planerisch fertig. Hier werden künftig also 3000 Neu- Langenhorner feststellen, was täglich 40 000 Verbrennungsmotoren vom Benzin übriglassen.

Margret Poulson, Hamburg 20: Hamburg als Weltstadt kann sich dem Fortschritt nicht verschließen. Selbstverständlich muß schnellstens das Stadtautobahnnetz gebaut werden. Bei dem sich ständig vergrößernden Verkehr ist es eine zwingende Notwendigkeit, daß die Straßen eng besiedelter Wohngebiete entlastet werden und für kreuzungsfreie Straßen gesorgt wird. Anderenfalls kommt es eines Tages zu chaotischen Engpässen und wachsender Unfallquote.

Elisabeth Piehler, Hamburg 62: Als Begründung für dieses Objekt wird angeführt, die Langenhorner Chaussee müsse entlastet werden. Nach meiner Meinung ist sie nur morgens und abends während der Spitzenzeiten überlastet, und zwar überwiegend von Berufstätigen, die ? allein im Auto sitzend ? zu ihrem Arbeitsplatz fahren. Dort wird womöglich ein dringend benötigter Parkplatz für den ganzen Tag blockiert, obwohl es im Norden Hamburgs die sehr schnelle U-Bahn- Verbindung stadteinwärts gibt. Während des restlichen Tages ist die Langenhorner Chaussee zwar eine stark befahrene, aber keinesfalls überlastete Ausfallstraße. Ich fahre selbst zu diesen Zeiten. Frage: Sollen wirklich für Menschen, die aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus die Straßen überlasten, riesige Mittel aus Steuergeldern aufgewendet werden und soll ein Wohnviertel, dessen Anwohner ohnehin schon stark unter Fluglärm und Kerosinabgasen leiden, zerstört werden?

Günther Sorge, Hamburg 70: Ich begrüße die von Ihnen angeregte Diskussion über diese wichtige Stadtautobahn. Aus rein sachlicher Überlegung gibt es kaum Argumente, die Osttangente nicht zu bauen, sofern folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

- Ausbau in voller Länge zwischen Hörn und der A 7 (BAB Hamburg? Kiel) mit Abzweig nach Ochsenzoll.

- Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 bis 100 km/st. Das bedeutet '/a weniger Abgase als im Stadtverkehr und weniger Lärm bei fließendem Verkehr.

- Geschickte Trassierung und größtmögliche Lärmschutzvorkehrungen.

Das Argument, eine Stadtautobahn ziehe zusätzlichen Verkehr an, ist nicht stichhaltig. Die Verkehrsdichte hängt ab von der Zahl der in der Region zugelassenen Fahrzeuge. Die Autobahn saugt den Verkehr von den benachbarten Stra- ßen ab. Die Lebensqualität dieser Stadtteile steigt also. Für den Durchgangsverkehr hat diese Autobahn ohnehin keine Bedeutung, da im Süden der Anschluß fehlt.

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