Beim Kieler Kampf abend: Opas auf Titeljagd

ra. Hamburg, 13. Januar Wenn ein Sportler die Dreißig überschritten hat, zählt er zu der Gruppe der sogenannten Alten. 40 Jahre kommt schon einem Greisenalter gleich. In Kiel boxt ein Mann namens Boualem Belouard um die deutsche Meisterschaft der Profis ? mit dem stolzen Alter von 41. Wenn Belouard aber in Zusammenhang mit seinem Namen das Wort "Box-Opa" hört, wird der kleine Mann böso: "Ich bin fit wie ein junger Bursche." Sicherlich eine subjektive Betrachtungsweise.

Doch Belouard kann mit Recht auf seinen Gegner verweisen. Klaus Jacobi aus Krefeld, der ebenfalls den vakanten Titel im Superleichtgewicht holen will, hat auch schon 36 Jahre in seinem Paß verzeichnet. 77 Jahre im Ring ? durchaus eine Rarität. Aber gleichzeitig eine Mischung aus Opa-Boxen und Lachnummern. Box-Präsident Theo Wittenbrink setzt seine Gönnermiene auf: "Die Jungs sollen noch mal die Chance haben, um den Titel zu boxen." Da das Feld der Superleichten in Deutschland ziemlich schwach bestellt ist, dürfen die beiden "Jungs" noch einmal ran.

Belouard, gebürtiger Algerier, ist erst vor fünf Wochen Deutscher geworden. Seit 1958 schlägt er sich durch Europa, seit 14 Jahren mit deutscher Lizenz. Für den Fall, daß er nach der deutschen Staatsangehörigkeit auch noch den deutschen Titel bekommt, hat Präsident Wittenbrink jedoch die Endstation schon gesetzt: "Für die Europameisterschaft würde ich ihn nicht mehr melden." Vielleicht mit 50 . . .

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