Gutberlet-Entführer hatte hohe Schulden

Eigener Bericht - dpa

gu. Fulda, 12. Januar

"Ich wußte nicht mehr ein noch aus. In erster Linie wollte ich meinen Betrieb sanieren." Mit diesen Worten verteidigte sich vor dem Fuldaer Landgericht der 37 Jahre alte Metzgermeister und Unternehmer Horst Hoos, der Anfang Oktober vergangenen Jahres mit zwei Komplizen den Fuldaer Supermarkt-Millionär Wolfgang Gutberiet (32) entführte und für dessen Freilassung ein Lösegeld in Höhe von zwei Millionen Mark verlangte.

Bei seiner Vernehmung erklärte Hoos, er und seine mit ihm verschwägerten und ebenfalls verschuldeten Komplizen, der 34jährige ehemalige Matrose Reinhard Miethe und der 36 Jahre alte Hans Weller, hätten im August die Entführung geplant. Vor der Großen Strafkammer zeigte sich das wegen erpresserischen Menschenraubs, Freiheitsberaubung, räuberischer Erpressung und Nötigung angeklagte Trio sehr aussagefreudig und gestand das spektakuläre Verbrechen in allen Einzelheiten.

Hoos erlitt mit seinem Fleischgroßhandel in Grebenau im Vogelsbergkreis Schiffbruch. Im vergangenen Jahr wuchsen seine Schulden auf mehr als 350 000 Mark an. Durch das Kidnapping hoffte er, den Betrieb auf schnelle und billige Art in den Griff zu bekommen. Mehrere Male hatte Hoos den Fuldaer Großkaufmann unter falschem Namen telefonisch auf angebliche Diebstähle in dessen Unternehmen hingewiesen und sein späteres Opfer zu verschiedenen Treffpunkten bestellt, um ihm das "Versteck" zu zeigen, in dem das "Diebesgut" liegen sollte. Bei der achten Verabredung schlugen Hoos und Miethe zu: Gutberiet wurde mit einer Pistole bedroht, gefesselt, in einer Kiste verstaut und mit einem Kleinbus in die Frankfurter Wohnung Wellers geschafft. Von da aus mußte der Millionär sofort seine Ehefrau anrufen und ihr von seiner Entführung berichten. Es sollte acht Tage dauern, ehe Gutberiet wieder frei war. Der Prozeß wird fortgesetzt.

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