Der Grund: Uneinigkeit unter den Parteien

Umstrittene Osttangente vorerst "auf Eis gelegt"

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EGBERT A. HOFFMANN

Schnellpiste werben wollte, stoppen. Die überraschende Funkstille zu diesem Thema hat handfeste Gründe: In allen drei Bürgerschaftsparteien herrscht heute über die Notwendigkeit der Osttangente völlige Uneinigkeit. In aller Stille wurde das umstrittene Projekt der sogenannten Osttangente, einer Stadtautobahn von Ochsenzoll zur Sengelmannstraße, auf Eis gelegt. Die Baubehörde ließ den Druck einer Informationsbroschüre, mit der sie für die

Seit vielen Jahren erhitzt nun schon der Bau dieser Stadtautobahn, die die Langenhorner Chaussee entlasten soll, die Gemüter. Der Bund würde die Gesamtkosten von 260 Millionen Mark übernehmen, wenn die Osttangente einen vierspurigen Zubringer von der Kieler Autobahn bekäme. Eine solche Verbindung würde der Osttangente natürlich zusätzlichen Massenverkehr bringen. Die Folge wäre: Die Fahrzeugkolonnen stauen sich am südlichen Ende der Tangente kilometerweit ? nämlich an der Sengelmannstraße oder am Jahnring.

Sicherlich würde eine Entlastung der Langenhorner Chaussee erreicht. Aber nach Ansicht der Fachleute sind unerwünschte Nebenwirkungen, die Tausende von Anwohnern in irgendeiner Weise belästigen, nicht auszuschließen. Demnach scheint denkbar, daß für 260 Millionen Mark Verkehrsengpässe nicht beseitigt, sondern nur verlagert werden. Ohne den Autobahnzubringer wäre diese Gefahr geringer. Aber dann müßte Hamburg 40 Prozent der Baukosten

übernehmen. Und das Geld hat die Stadt nicht.

Diese Gedanken werden nun schon viele Monate lang in SPD, FDP und CDU erörtert, ohne daß man sich wenigstens innerhalb der einzelnen Parteien zu einer klaren Konzeption durchringen konnte. Heute stehen sich offenbar in allen Parteien Freunde und Gegner der Osttangente unversöhnlicher denn je gegenüber. Dennoch läßt sich feststeilen, daß man in der CDU das Projekt allgemein positiver beurteilt als in den Koaltionsparteien.

Die SPD hat in den letzten Wochen in ihren Ortsverbänden allen Stadtautobahn-Plänen klare Absagen erteilt. So wehren sich die Sozialdemokraten auch gegen die ebenfalls seit Jahren projektierte Autobahn Eidelstedt- Winterhude, weil dafür gewachsene Stadtlandschaft und Kleingartengebiete geopfert werden müßten. Zum Thema Osttangente will sich die SPD anläßlich ihres Parteitags am 16. und 17. April eine einheitliche Meinung bilden.

Der Baubehörde, die die Osttangente für notwendig hält, blieb angesichts der totalen Zerstrittenheit der Politiker nichts anderes übrig, als ihr Engagement vorerst zu stoppen. Bausenator Dr. Rolf Bialas muß nun seine Informationsabende, bei denen er die Anwohner vom Vorteil der Tangente überzeugen wollte, auf unbestimmte Zeit verschieben.

Wie bei den Politikern gibt es auch bei Hamburgs Bürgern völlig gegensätzliche Meinungen. Aufschluß dar- über ist rund 150 Briefen zu entnehmen, die in den vergangenen Monaten das Hamburger Abendblatt erreichten. Etwa 50 Prozent der Schreiber lehnen die Tangente kompromißlos ab. Zwanzig Prozent stimmen ihrem Bau vorbehaltlos zu. Die restlichen 30 Prozent sind ebenfalls für die Osttangente, wenn wirksame Umweltschutz- und Lärmdämpfungsmaßnahmen garantiert werden. Genau dies ist das wichtigste Problem des ganzen Vorhabens. (Siehe auch Kommentar Seite 2.)

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