KOMMENTARE

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Von EGBERT A. HOFFMANN Von REIMAR FITZLAFF

Da reden Hamburgs Kommunalpolitiker nun schon seit Jahren über die Osttangente, eine Stadtautobahn zwischen Ochsenzoll und der Sengelmannstraße. Diese Schnellpiste sei wichtig zur Entlastung der Langenhorner Chaussee, sagen die einen. Diese Autobahn bringe nur neues und schlimmeres Verkehrsdilemma, sagen die anderen. Meinung gegen Meinung. Pro und Kontra teilen sogar jede der drei Bürgerschaftsparteien in zwei Lager.

Die babylonische Verwirrung um die Osttangente ist kennzeichnend für große Bauvorhaben, die weit in die Zukunft Hamburgs greifen. Denn niemand vermag schon heute zu garantieren, daß solche Projekte richtig sind. Diese Ungewißheit fördert Unentschlossenheit und Wankelmut der Politiker. Da sie alle letztlich nur das Beste für die Bevölkerung wollen, haben sie Angst vor fehlerhaften Entscheidungen. Sie fürchten, am Bedarf der Bürger vorbeizuregieren. Also kommt es ? wie im Falle Osttangente ? jahrelang zu gar keinen Entscheidungen. Man läßt die Dinge treiben ? man schiebt die Verantwortung vor sich her.

Diese Stagnation des politischen Willens ist für die Fachbehörden eine böse Sache. Da ihre Arbeit von Beschlüssen der Politiker abhängt, sind sie in lebenswichtigen Fragen oft zur Untätigkeit verurteilt. Man tritt mit gebundenen Händen auf der Stelle. Rien ne va plus ? nichts geht mehr. Die Großstädte werden immer unregierbarer ? ein alarmierender Satz, den Bürgermeister Klose schon 1975 vor der evangelischen Akademie in Tutzing aussprach. Das Tauziehen um die Osttangente beweist, wie recht er hat.

Millionen gehen Jahr für Jahr als "Massentouristen" auf Reisen. Tausende kehren enttäuscht, verbittert, zuweilen beinahe entnervt zurück. Die Urlaubsrealitäten sehen zumeist anders aus, als es Worte und Bilder irn Glanzpapierfarbprospekt verheißen-. Daran muß nicht unbedingt der Veranstalter schuld sein. Aber er ist selten von Mitschuld freizusprechen.

1-^ er Pauschalreisende, der von JJ vornherein gewisse Abstriche an eigenen Wünschen und den Versprechungen der Reiseveranstalter vornimmt, ist sicher auch in Zukunft gut beraten. Mit dem wiedervorgelegten Reiseveranstaltungsgesetz werden Auswüchse beseitigt. Unstimmigkeiten, ja, sogar Reinfälle wird es allerdings auch weiterhin geben.

Der Gewinn für den, der das große Ferienglück zu buchen versucht, liegt darin, daß man in Zukunft weniger willkürlich mit ihm verfahren und ihn weniger plötzlich und zusätzlich zur Kasse bitten kann. Der Tourist, bisher oft genug als "Dümmling" vermarktet, erhält grö- ßere Rechte. Sie gewährleisten, daß sich die Reisewirklichkeit nicht allzusehr vom Veranstalterangebot entfernt. Außerdem garantieren sie, daß man im Falle einer Auseinandersetzung seinen Kontrahenten benennen kann und daß das Portemonnaie nicht ungerechtfertigt strapaziert wird, falls man vom Vertrag zurücktritt. Das ist schon einiges.

Legen die Reiseveranstalter in nächster Zeit Wohlverhalten an den Tag, soll auf das Gesetz wieder verzichtet werden. Man darf gespannt sein. Die Regierung würde sich in diesem Falle neuen Streit mit den Ländern ersparen: bei der Erstvorlage im Mai 1974 hielt der Bundesrat das Gesetz für zu perfektioniert.

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