Bialas (FDP) besteht auf der Osttangente

Einigung mit der SPD ist nicht in Sicht

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Gibt es um die Osttangente im Senat neuen Koalitionskrach? Wie berichtet, hat der SPD-Landesparteitag die seit Jahren geplante Stadtautobahn zwischen Norderstedt und der Sengelmannstraße abgelehnt. Die FDP. setzt sich Jedoch weiterhin fllr den Bau von Teilabschnitten der Osttangente ein. Bausenator Dr. Rolf Bialas (FDP): "Die Meinung der SPD- Senatoren muß nicht notwendigerweise mit dem Parteitagsbeschluß Übereinstimmen."

Der Bausenator macht keinen Hehl daraus, daß er die Ablehnung der Osttangente durch die SPD für schlecht hält: "Der Verkehr der Zukunft läßt sich unmöglich auf den Stadtstraßen von heute abwikkeln." Die Baubehörde habe den Generalverkehrsplan, in dem die Osttangente enthalten ist, dem Senat zur Entscheidung vorgelegt. Dieser Verkehrsplan diene als Grundlage aller Überlegungen.

Auf Veranlassung von Bialas wurden die sieben Bezirke um ihre Stellungnahmen gebeten. Bialas: "Der größte Widerstand kam aus dem Bezirk Nord. Auch Eimsbüttel hatte Einwendungen gegen die sogenannte Querspange, die Stadtautobahn an der Kollau und Tarpenbek. Wandsbek wünschte ergänzende Angaben." Jetzt müsse sich der Senat eine Meinung bilden. Das sei bislang nicht möglich gewesen, weil die SPD keine klaren Ansichten vertreten habe.

Die FDP ? so Bialas ? sei nach wie vor für den Bau der Osttangente von Norderstedt bis zur Alsterkrugchaussee, im ersten Bauabschnitt allerdings ohne den Anschluß zur Kieler Autobahn. Der FDP-Landesvorstand hat bereits dein nördlichen Abschnitt, die Ortsumgehung Langenhorn, gutgeheißen. Nun wolle sich auch ? so der stellvertretende Fraktionschef Wolfgang Bodeit ? die Fraktion "alsbald" eine Meinung dazu bilden.

Senator Bialas gibt noch nicht auf: "Ich hoffe, die SPD sieht ein, daß der Nordabschnitt der Osttangente durch unbebautes Gelände führt. Wir brauchen übergeordnete Straßen. Und das sind nun mal Stadtautobahnen. Sie dürfen selbstverständlich keine Wohnviertel zerstören." Die Umweltschutz-Gesetzgebung zwinge ohnehin zu Maßnahmen, die den Verkehr bündeln.

Parteifreunde von Bialas glauben nicht so recht daran, daß SPD- Senatoren einen anderen Standpunkt einnehmen werden als der

SPD-Landesparteitag. Das wäre, so heißt es, ein Novum. Dennoch ist man in der FDP nicht davon überzeugt, daß wegen der Osttangente neuer Koalitionskrach ausbricht. Irgendwie werde man einen Kompromiß finden. Wie der aussehen könnte ? so Bodeit ? sei zum heutigen Zeitpunkt "reine Spekulation".

Wenn die Osttangente nicht kommt ? was dann? Bausenator Bialas hält nicht viel davon, statt der Stadtautobahn eine normale Schnellstraße auf der Trasse der Osttangente zu bauen. Wörtlich: "Das wäre unvergleichlich schlechter. Die Kapazität einer solchen Straße ist geringer als die einer Autobahn. Außerdem ist die Umweltbelastung ungleich größer und der Lärm sehr viel stärker."

In der Kieler Landesregierung fühlt man sich nach wie vor an die langfristigen Osttangenten-Planungen, die mit schleswig-holsteinischen Straßenbauvorhaben im Raum Norderstedt kombiniert sind, gebunden. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums: "Für uns ist der Partner nicht die SPD Hamburg, sondern der Hamburger Senat. Und der ist jetzt am Zuge. Von ihm erwarten wir nun einen klaren Beschluß. Danach werden wir weitersehen."

Im Bonner Verkehrsministerium gibt man sich überrascht über den SPD-Partei tagsbeschluß. Die Osttangente ? so heißt es ? sei in der Mittelfristigen Finanzplanung enthalten. 1978 solle der Bau der Umgehung Fuhlsbüttel und 1979 der Umgehung Langenhorn beginnen. Ein Sprecher: "Wir warten jetzt erst mal ab, was der Senat beschließt." Über Alternativen aus Bonner Sicht wollte er sich nicht äußern. EGBERT A. HOFFMANN

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