SPD-Landesparteitag sagt nein zur Osttangente

Zehn Jahre wurde umsonst geplant und diskutiert

| Lesedauer: 2 Minuten
EGBERT A. HOFFMANN

Stadtautobahnen, die überwiegend durch Wohngebiete führen, sollen in Hamburg nicht mehr gebaut werden. Diesen Beschluß faßte gestern abend der Landesparteitag der SPD. Auch die umstrittene Osttangente, eine Stadtautobahn zwischen Norderstedt und der Sengelmannstraße, lehnt die SPD in der seit Jahren trassierten Form ab. Jetzt sieht sich die Baubehörde, die sich stets für die Osttangente stark gemacht hat, mit der Frage konfrontiert, wie die Langenhorner Chaussee auf andere Weise entlastet werden kann.

In der Debatte prallten konträre Meinungen innerhalb der SPD hart aufeinander. Aus Stellingen ? "Wir haben die größten Erfahrungen mit negativen Folgen!" ? kam die Forderung nach kategorischer Ablehnung aller Stadtautobahnen. Begründung: die Nachteile überwiegen, und jeder neue Autobahnabschnitt "schreit nach einer Fortsetzung". Man könne nicht Volksvermögen für Bauten einsetzen, die die Städte kaputtmachen.

Gemäßigtere Redner meinten hingegen, ein generelles Verbot dürfe es nicht geben. Stadtautobahnen hätten auch positive Folgen für die Wirtschaft und für die Sicherung von Arbeitsplätzen. Der frühere Bausenator Caesar Meister: "Wir brauchen verkehrsberuhigte Zonen und weniger Unfallschwerpunkte. Das erreicht man mit Stadtautobahnen." Ein Beweis sei die Umgehungsstraße Billstedt, die Hörn und Hamm erheblich entlastet habe. Meister: "Das ist auch woanders möglich."

Der Kompromiß war schließlich ein Initiativ-Antrag, dem die Mehrheit zustimmte: Die Osttangente würde zu "stadtentwicklungspolitisch unerwünschten Ergebnissen" führen. Deshalb soll Bürgermeister Klose mit dem Bundesverkehrsministerium "andere Lösungen einer regionalpolitisch wünschenswerten besseren Verkehrsanbindung" aushandeln. Bis dahin sollen keine präjudizierenden Maßnahmen getroffen werden.

Dieses Nein zur Osttangente zwingt die Baubehörde, über Alternativ-Lösungen nachzudenken:

- Auf der Trasse der Osttangente wird eine normale Stadtstraße gebaut, die allerdings breiter sein müßte als eine vierspurige Autobahn, wenn sie die Leistungsfähigkeit einer Autobahn haben soll. Die FDP neigt einer solchen Lösung zu, obgleich der Lärm einer Schnellstraße ebenso groß ist wie der Krach einer Autobahn.

- Die Langenhorner Chaussee wird nördlich der Straße Tarpen sechsspurig ausgebaut. Die bestehenden Bebauungspläne lassen das zu. Den lärmgewohnten Anwohnern hilft diese Lösung jedoch überhaupt nicht.

- Ein Autobahnring außerhalb der Stadtgrenzen zwischen Kieler und Lübecker Autobahn. Eine Entlastung der Langenhorner Chaussee würde damit allerdings nicht erreicht. Es gibt dafür auch keine konkreten Pläne. Das Kieler Wirtschaftsministerium: "Schleswig-Holsteins Planungen sind auf die Osttangente abgestimmt. Wenn die jetzt nicht gebaut wird, müssen neue Planungen erst von Bonn abgesegnet werden. Auch ein Tangenten- Ring zwischen Kieler und Lübekker Autobahn, etwa, zwischen Quickborn und Stapelfeld."

Zehn Jahre heiße Diskussion um die Osttangente hat nun dazu geführt, daß sie in absehbarer Zeit nicht gebaut wird. Jetzt beginnt die Diskussion um Ersatzlösungen. Wenn sie nicht bald gefunden wird, ist der Langenhorner Chaussee ein permanentes Verkehrschaos sicher.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: 1977