..man nehme einen Dreifuß

O heilige Unschuld ! Dachte ich bisher, ich lebte sicher. Weit gefehlt! Bin ich von Gefahren umgeben, von denen ich bisher noch nicht einmal etwas ahnte. Schrieb doch jüngst die Kaufmännische Krankenkasse (KKH), daß sogar. das Offnen von Sektflaschen Risiken mit sich bringe, von denen unbesorgte Hanseaten nichts wüßten. "Der Druck unter den Korken ist so groß, daß dieser unter Umständen bis zu zwölf Meter hoch schießen kann", stand mahnend im Dezember-Rundbrief. Tief beunruhigt las ich weiter: "Vor allem die Augen sind in starkem Maße gefährdet, wenn man nicht aufpaßt".

Und weiter: "Die meisten der Verletzungen dürften darauf beruhen, daß der Korken abspringt, ehe man es erwartet." Mir wurde schwummerig. In meinem Kühlschrank lagern mehrere Flaschen dieses brisanten Stoffes ? und

heute ist Silvester.

Ich erkannte die dräuende Gefahr, sprang wie elektrisiert auf ? und handelte. Im Keller steht sie nun, meine vollautomatische Sektflaschenentkorkungsmaschine.

Die Premiere klappte. Die Jungfern- Flasche ist schon geköpft. Für alle, die so etwas nachbauen wollen, hier meine Konstruktionsanleitung: Die Flasche steht auf einem gußeisernen Dreifuß, von einer Schraubzwinge gehalten. Eine Exzenterscheibe treibt einen Ausleger (wie bei einem Minikran), dessen Greifer den Draht am Korken aufzwirbelt. Diese Mechanik wird von einem Elektromotor angetrieben.

Sobald der Draht vom Korken gelöst ist, schaltet sich ein Rüttelmechanismus ein, der in der Sektflasche einen erheblichen Überdruck erzeugt. Dadurch fliegt der Korken heraus. Damit er nicht die Wohnzimmerlampe zerstört, ist über die vollautomatische Sektflaschenentkorkungsmaschine ein Kissen (nicht allzu weich) gehängt, das den Korken auffängt.

Der Rüttelmechanismus, der den Überdruck erzeugt, hat einen entscheidenden Nachteil: Die Sektflasche schäumt sofort über. Um diesen Nachteil zu neutralisieren, erfand ich eine Überlaufrinne, durch die der überschäumende Sekt in ein daruntergestelltes Glas abfließen kann. Konstruktionsgag: Diese Maschine läßt sich von der Küche aus fernbedienen. Die Familie kann vor "Arbeitsbeginn" das Wohnzimmer verlassen und sich somit in Sicherheit bringen.

Der Countdown kann beginnen neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins . . . MANFRED SCHOLZ