Zum Tode von Herbert Freiherr von Buttlar

Er schuf ein Modell für Kunsthochschulen

Der Präsident der Hamburger Hochschule für bildende Künste, Professor Dr. Herbert Freiherr von Buttlar, ist ? wie erst jetzt bekannt wird ? am Sonnabend in Ariesheim im Schweizer Kanton Basel gestorben. Vor Monaten schon hatte er sich dort in ein Sanatorium begeben müssen.

Herbert von Buttlar wäre am 2. Oktober vierundsechzig geworden. Dann hätte er genau zwölf Jahre und einen Tag an der Spitze der hanseatischen Kunsthochschule gewirkt. Er kam, damals Generalsekretär der Akademie der Künste, aus Berlin nach Hamburg. Er wurde ein Direktor, den der temperamentgeladene Eigensinn in ständiger Spannung zur öffentlichen Verantwortung und zu einem preußischen Pflichtgefühl auszeichnete. Er ist im Zuge der entscheidend von ihm initiierten und vertretenen Reformbestrebungen nach der neuen Hochschulverfassung 1973 für sechs Jahre zum Präsidenten bestellt worden.

Die Freiheit von der "Anbindung" an Ämter hat Herbert von Buttlar sich oft stark gewünscht. Da sollte, entlastet von Administration, viel Eigenes aufgearbeitet werden: Wissenschaft, Forschung, kulturpolitische Reflexion. Was zählt? Herbert von Buttlar hatte seine Ideen und dazu die Kraft seiner Persönlichkeit immer so parat, daß er damit hätte hundert werden können oder aber auf der Stelle sich vollenden.

Als Herbert von Buttlar in der Hansestadt begann, sagte er im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt: "Erwarten Sie kein theoretisches Programm. Ich bin ein Mann der Praxis. Eine Kunsthochschule muß sich auf die heutigen Realitäten einstellen, sonst gerät sie ins Hintertreffen." Ein ausgepichter Pragmatiker aber, wie man nach solchem Wort vielleicht vermutet, ist Buttlar nie gewesen. Er philosophierte gerne, wenn er eines seiner vielen Wagnisse einging oder in riskanter Situation als klug vermittelnder Diplomat sich erwiesen hatte. Er engagierte sich und hielt doch kritische Distanz. Nicht selten allerdings hatte er Schwierigkeiten mit seinen so schätzenswerten Spontaneitäten.

In Stendal wurde Buttlar geboren ? wie Winkelmann, auf dessen Spuren er sich der Archäologie und der klassischen Philologie verschrieb. Er war nach dem Studium tätig in Athen und in Marburg Als Kustos am Hessischen Landesmuseum Kassel packte ihn ? Traditionalist und Avantgardist in glücklicher Verbindung ? jener Plan Arnold Bodes, aus dem (Haftmanns Beistand dazu) die Kasseler "documenta" sensationell ins Leben gerufen worden ist.

Das bewegte, das aktuelle Engagement auch an der Berliner Akademie der Künste hat im hamburgischen Einsatz eine enorme Steigerung gefunden: Herbert von Buttlar schaffte mitten durch die turbulenten Unruhen das, was als ein für alle Kunsthochschulen wegweisendes "Hamburger Modell" Wichtiges bewirkt hat.

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