Maria Kloth wird achtzig Jahre alt

Die Soubrette von der Waterkant

Ganz zünftig auf Hamburgs Musenschiff an der Holzbrücke wird man am kommenden Montag Hamburgs große alte Dame der leichten Muse feiern: Stimmungskanone Maria Kloth wird achtzig. Im April hatte sie wegen einer Erkrankung pausieren und ihre Rolle in der "Haifischbar" im St. Pauli-Theater abgeben müssen. "Aber jetzt bin ich wieder fit", sagt Maria Kloth und hofft, noch einmal als Freddys Mutter im "Jungen von St. Pauli" auf den Brettern stehen zu können.

Generationen von Hamburgern hat Maria Kloth als Soubrette ? und als zünftiger Seemann mit der Käpt'n- Mütze auf den blonden Locken die Lachtränen entlockt. Wenn sie auf ihren Unterhaltungsabenden die "Nordseewellen" schmetterte oder die "Liebe im Hafen" besang, da war was los im Saal. Wie sie zur Paraderolle der singenden "Seefrau" kam? Das war in der Operette "Maskottchen" in den zwanziger Jahren. Da zog sie zum erstenmal die blaue Büx an.

Ganz klassisch hatte es begonnen: im Deutschen Schauspielhaus. Ein sehr sü- ßes Mädel, eben dem Backfischalter entronnen, rührte im Rührstück "Unter der blühenden Linde" die Herzen. Sie sah aus wie die Försterchristel aus einem Heimatfilm. Und in einem Forsthaus wurde sie auch geboren. Es steht noch immer im Stadtpark, der damals der Privatpark der Familie Sierich war.

Maria Kloth ist durch ganz Deutschland getingelt, hat in Österreich und in der Schweiz für Hamburg gesungen, hat auf fast allen Hamburger Bühnenbrettern gestanden und die Hauptrollen in jeder Paul-Lincke-Operette gespielt. "Frau Lunas" Notenvater lächelt von der Wand der Erinnerungsfotos in Maria Kloths schicker kleiner Wohnung in Eppendorf. Mit herzlicher Widmung für eine der besten Interpretinnen seiner Rollen.

Daß Maria Kloth beim ersten "Hafenkonzert" dabei war und bei der Eröffnung der "NORAG" (1924), des ersten Hamburger Senders, erste Töne in den Äther trällerte ? das ischa man selbstverständlich. Sie muß noch heute dar- über lachen, wie sie mit Herzklopfen vor dem noch ungefügen Mikrofon stand und ausgerechnet als rheinisches Mädchen ihr Funkdebüt gab. Zugleich verantwortlich fürs Geräuschemachen. Nach jedem Prost ein Gläserklingen! Das Operettenhaus, das St. Pauli- Theater und dazu Freddy, das ist für Maria Kloth wie Weihnachten und Ostern in einem. Dabei war Freddy zuerst einmal ziemlich baff, als er seiner künftigen Bühnenmutter in der Schaubude begegnete. Maria Kloth, flott auf Seemann getrimmt ? das war dem "Seemann" Freddy Quinn nicht so geheuer. In einem Grogkeller am Hafen wurde kurz darauf Bruderschaft getrunken. Und damit begann das schönste Mutter-Sohn-Bühnenverhältnis.

"Hol di stief", sagt man in Hamburg. Maria Kloth, die von ihren achtzig Jahren gute sechzig Jahre gesungen, getanzt, gespielt und Döntjes erzählt hat, braucht diese Ermunterung kaum. EBERHARD VON WIESE

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