Ein V-Mann aus dem Nahen Osten gab den heißen Tip:"Roter Libanese" trieb in Säcken an den Strand

Der Frachter "Baabda" hat tonnenweise Hasch geladen

Es ist schon viel Wasser die Elbe hinuntergeflossen ? aber "Strandgut" dieser Art hat es wohl noch nie ans Ufer geschwemmt: Ein Spaziergänger fand gestern früh bei Brockdorf (Kreis Steinburg) einen Jutesack mit einem Zentner Haschisch, weitere 30 Säcke entdeckte die Polizei, als sie nachsuchte. Haschischraucher bezahlen für ein Gramm "Stoff" von dieser Qualität zur Zeit in Hamburg bis zu zehn Mark.

Polizei und Zoll vermuten, daß noch weitere 20 Zentner von dem Stoff, aus dem Träume gemacht werden, in der Elbe treiben oder dort versunken sind; vermutlich über Bord geworfen von einem Schmuggelschiff, dem die Fahnder zu nahe kamen.

Ein V-Mann aus dem Nahen Osten hatte den Rauschgiftfahndern in Hamburg den Tip gegeben: Da kommen 2,6 Tonnen Haschisch mit der "Baabda", einem Stückgutfrachter, aus Beirut. Des Tips hätte es nicht bedurft, um den Hamburgern die "Baabda" besonders ans Herz zu legen. Auf dem Schiff war im Hamburger Hafen schon einmal eine größere Menge Haschisch beschlagnahmt worden.

Gestern früh um vier Uhr legte die "Baabda" am Schuppen 69 an ? aber da war sie schon seit Bremen, wo sie kurz festgemacht hatte, ständig von einem Zollkreuzer aus großer Entfernung beschattet worden. Und um sieben Uhr ging die ?Schwarze

Gang" (Zoll-DuTchsuchungskommando für Schiffe) an Bord und kehrte das Unterste zuoberst ? ohne Erfolg. Kein Gramm Haschisch wurde entdeckt.

Die Säcke mit dem Rauschgift dümpelten nämlich, so die nachträgliche Überlegung der Rauschgiftfahnder, schon seit ein paar Stunden im Eibwasser, viele von ihnen waren bei Brockdorf am Eibufer angetrieben. 2,6 Tonnen ? das wäre fast Weltrekord. Aber selbst die 30 Zentner, die am Eibufer schließlich gefunden wurden, während noch in Hamburg die Fahnder das Schiff durchsuchten, waren ein kapitaler Fang.

Um 6.30 Uhr hatte der spazierengehende Frühaufsteher aus Brockdorf das Haschisch am Elbestrand entdeckt ? wenig später bekam Hamburg Bescheid. Die Spezialisten der "Gemeinsamen Fahndungsgruppe Rauschgift" (GFGR) aus Zoll und Kripo kombinierten rasch: Das muß der Stoff von der "Baabda" sein. Tatsächlich stellte sich heraus: Der Lotse, der in der Eibmündung an Bord des mutmaßlichen Schmuggelschiffs gegangen war, hatte vor Brunsbüttel gemerkt, wie von Bord eine Hieve mit grauen Jutesäcken über Bord geworfen wurde. Seltsam fand er das schon, aber er dachte sich zunächst nichts dabei.

Vermutlich hatte der polnische Kapitän (oder wer immer an Bord der "Baabda" den Schmuggeltransport in Händen hatte) gemerkt, daß ihm seit Bremen ein nur auf dem Radarschirm sichtbarer "Schatten" folgte ? und kurzerhand beschlossen, die gefährliche Ware zu versenken.

Gestern abend um neun Uhr rückte noch einmal die "Schwarze Gang" auf der "Baabda" an. Das Schiff wurde nochmals unter Zuhilfenahme von Haschisch-Hunden durchsucht ? wieder ohne Erfolg. Der Kapitän und einige andere führende Besatzungsmitglieder wurden festgenommen.

Aber die Fahnder rechnen fest damit, daß ihre Verdachtsmomente gegen die festgenommenen Besatzungsmitglieder so schwer wiegen, daß wenigstens einige von ihnen in Untersuchungshaft müssen. Das muß heute ein Haftrichter entscheiden.