Malerei aus Maos Reich in der "Schnecke"

Aus dem Alltag der Chinesen

Hamburger Mitglieder der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft, die 1973 in der Bundesrepublik gegründet wurde, waren im letzten Herbst in Maos Reich und nutzten die Gelegenheit, sich einen Überblick über die zeitgenössische Malerei und Graphik zu verschaffen. Sie brachten eine große Zahl von Reproduktionen mit, die bis 23. April in der Galerie "Schnecke" im Turm auf der Moorweide zu sehen sind und vom 29. April bis 5. Mai im Hamburg-Haus Eimsbüttel gezeigt werden.

Da die neue Kunst in China die Aufgabe hat, die Gedanken des Sozialismus zu unterstützen und zu verbreiten, ist der Inhalt der Bilder fast ausschließlich auf die Welt der Arbeiter, Bauern und Soldaten abgestellt. Themen, deren Behandlung in der traditionellen Malerei und Holzschnittkunst ganz undenkbar waren, sprechen vom Selbstbewußtsein des Volkes und seiner Zufriedenheit mit der nachrevolutionären Gesellschaftsordnung. Frauen beim "Aufbrechen des Bodens im Frühjahr" oder die

"Versammlung zum Erfahrungsaustausch über Schweinezucht" ? das ist aus dem Alltag gegriffen und realistisch wiedergegeben.

Leichtes Unbehagen beschleicht den westlichen Betrachter allerdings, . wenn zwischen Landschaften und. Menschen Traktoren, Bohrtürme, Motoren zur Bewässerung der Felder auftauchen. Die Technik erscheint, da sie vielen einen besseren Lebensstandard bringt, als Segen. Ihre unheimliche Kehrseite ist noch unbekannt, wie überhaupt nur Positives in den Bildern ausgesagt wird. Eine plumpe Verherrlichung findet trotzdem nicht statt. Selbst Mao ist nicht besonders herausgestellt unter seinen Genossen. Die jahrtausendealte Maltradition verhindert solche Auswüchse und ist vor allem in der formalen Gestaltung" unübersehbar. Obwohl viele Bilder von Laien, sogar von mehreren, stammen, sind sie immer äußerst geschickt aufgebaut. In der starken und lebendigen Farbigkeit setzen sie sich jedoch deutlich von der Überlieferung ab. E. PREUSS