Im Dienst für alle

Bold Guard 74", das größte NATO- Manöver nach dem aweiten Weltkrieg, steht offensichtlich unter einem unglücklichen Stern. Drei Tote, vier vermißte Soldaten und 49 Schwerverletzte, dazu viele Leichtverletzte ? eine erschütternde Bilanz nach drei Tagen. Eine Bilanz, die zu denken gibt. Was in der vorletzten Manövernacht geschah, faßte das britische Verteidigungsministerium in 30 knappen Worten zusammen; "Bei einem Absprung britischer' Fallschirmspringer im NATO- Manöver ,Bold Guard' starben in Westdeutschland zwei Soldaten, vier werden seit über 24 Stunden vermißt. Die Hoffnung, sie lebend zu finden, ist gering."

T\ie Soldaten, die im Manöver ihr -*-' Leben riskierten, taten dies im Dienst für alle. Denn ihr Dienst hat das Ziel, den Frieden zu erhalten und die Freiheit zu sichern. Der Tod der Soldaten kann daher niemandem gleichgültig sein. Die Trauer schließt alle ein.

lVfun drängt sich allerdings die Fra- ?'?' ge auf: Sind so risikoreiche, gefährliche Übungen überhaupt notwendig? Die Frage nach dem Sinn eines Manövers zu diskutieren hieße gleichzeitig den Sinn der Bundeswehr oder der NATO in Frage zu stellen. Wenn man die Bundeswehr und die NATO bejaht, ist es unumgänglich, Manöver abzuhalten.

"T|ie Frage, ob die Fallschirmsprin- ?^-'ger unbedingt bei Nacht abspringen mußten, entspringt verständlicher Sorge. Doch die Betroffenen waren erfahrene Soldaten, die alle mindestens zehn Nachtabsprünge hinter sich hatten. Erst die Untersuchungen werden ergeben, warum in Osterrade aus einem kalkulierbaren Risiko ein Fiasko wurde.

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