Lastwagen überrollt Vierjährigen auf seinem Dreirad

Immer mehr Kinder sterben auf der Straße

| Lesedauer: 2 Minuten

dieses Jahres starben auf Hamburgs Straßen 16 Kinder, wurden 1086 verletzt. Im vorigen Jahr kamen rund 2400 Kinder zu Schaden. Fast jede Woche wird in Hamburg ein Kind totgefahren. Jede Woche werden bis zu 60 Kinder bei Verkehrsunfällen verletzt. Allein in den ersten sechs Monaten

Gestern um 10.05 Uhr, als in Hamburg gerade die Sirenen zum Probealarm heulten, wurde der kleine Markus Mielke aus Niendorf auf einem Radweg an der Osdorfer Landstraße in Groß Flottbek von einem Lastwagen überrollt. Markus wäre heute vier Jahre alt geworden.

Mit seinem Dreirad-Spielzeugtrekker aus gelb-rotem Plastik, in der einen Hand ein Eis, das seine Mutter ihm gerade gekauft hatte, fuhr Markus auf dem Radweg. Er wollte zum nahen Wochenmarkt. Da kam aus der Einfahrt einer Tankstelle der 7,5-Tonnen-Laster. Unter dem Achsgestänge wurde das Kind förmlich erdrückt, der Trecker von den Reifen plattgewalzt.

In einer anderen Tankstelle, kaum hundert Meter entfernt, arbeitete die Mutter des kleinen Markus, Meike Mielke (22). Sie ist dort Aushilfstankwart, weil sie etwas Geld hinzuverdienen will. Jeden Tag nahm sie Markus und seine gerade erst neun Monate alte Schwester Svenja mit zur Arbeit. Vor ein paar Tagen hat Svenja in der Tankstelle ihre ersten Schritte geübt.

Dieter Mielke (34), der Familienvater, ist Fuhrunternehmer. Markus ist sozusagen mit Auto groß geworden. Er war aufgeweckt und beim Spielen an der Straße immer sehr vorsichtig.

Die Mielkes haben erst vor kurzer Zeit in ihrem kleinen Haus am Moorrand in Niendorf ein Kinderzimmer für Markus und Svenja eingerichtet. Jetzt ist es zu groß. Die Eltern bewahren nur mühselig Fassung.

Die Unfallursache ist noch nicht geklärt. Waren der Junge und der Lastwagenfahler von dem Sirenengeheul abgelenkt? Das ist bisher nur eine Vermutung. Der Fahrer hatte mit seinem Wagen Bier und Limonade bei der Tankstelle angeliefert. Er

und der Beifahrer erklärten, sie hätten den Jungen auf dem Radweg nicht gesehen. Die Polizei sucht Unfallzeugen. um den Hergang zu rekonstruieren.

Kinder sind im Straßenvekehr besonders gefährdet. Während die Zahl der Verkehrsunfallopfer in Hamburg von 1960 bis 1972 insgesamt um zehn Prozent stieg, nahm die Zahl der auf den Straßen verunglückten Kinder in dieser Zeit um 52 Prozent zu. Allein in den Jahren von 1%9 bis 1972 starben nach Verkehrsunfällen 146 Kinder. Mehr als 10 000 wurden verletzt ? 3600 von ihnen so schwer. daß sie für längere Zeit ins Krankenhaus mußten. 1973 kamen rund 2400 Kinder zu Schaden. Das bedeutet: Von 1000 Kindern in Hamburg verunglücken im Lauf eines Jahres sieben bis acht. Gestern Markus Mielke, heute vielleicht das Kind des Nachbarn, hk lei

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: 1974