Jubiläum und Premiere

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Die einen liefern Lustiges, der andere Schwerverdauliches. Die einen ? das sind die "plattdütschen" Leute vom Hamburger Ohnsorg-Theater, die am Sonnabend mit ihrer Bauernkomödis "Für die Katz" fast auf den Tag genau 20jähriges (hochdeutsches) Fernsehjubiläum feiern. Der andere ? das ist der schwedische Regisseur Ingmar Bergman, spätestens seit dem "Schweigen" als filmischer Tabubrecher bekannt. Sein neuestes Werk "Schreie und Flüstern" hat am Sonntag in der ARD deutsche Premiere. Zwischen diesen beiden absolut konträren Beiträgen entfaltet sich ein Programm mit gewohnten Höhen und Tiefen.

Ohnsorg-Jubiläum

Am 13. März 1954 begann das Ohnsorg-Theater (1902 von Richard Ohnsorg als erste Niederdeutsche Bühne gegründet und 1945 nach ihm benannt) in einem Bunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld seine Fernseharbeit in Sachen Volkstheater. Damals übertrug man den Schwank "Seine Majestät Gustav Krause" auf die noch spärlich gesäten deutschen Bildschirme. Die Ohnsorg-Mischung aus Komik, menschlicher Schwäche und Unbeschwertheit fand auf Anhieb sein Tele-Publikum und entwickelte sich in 20 Jahren zu einem festen Bestandteil der bundesweiten TV- Bühne. Daß die Truppe dieses Theaters, seit dem Tode von Hans Mahler vor vier Jahren von Günther Siegmund geleitet, um ihr Fernseh-Jubiläum keinen Wirbel veranstaltet, entspricht der sympathischen Einfachheit, in der die meisten ihrer Stücke angesiedelt sind. So auch die Jubiläums-Aufführung Für die Katz (Sonnabend, 20.15 Uhr, ARD), in der ein gemeuchelter Hauskater und ein gefressenes, reinrassiges Küken einen abendfüllenden Bauernzank verursachen.

Bergman-Premiere

Am Sonntagabend wartet die ARD um 21 Uhr mit dem jüngsten Bergman-Werk Schreie und Flüstern auf, wohl wissend, daß sich an der zeitlichen Placierung des Films im Zusammenhang mit seiner Thematik die Gemüter erhitzen könnten: Im Mittelpunkt stehen zwei Sterbeszenen, von denen die eine 45 (!) Minuten lang dauert. Dazu Heinz Ungureit, der Leiter der ARD-Filmredaktion: "Wir werden in der Ansage auf diese Szenen hinweisen und den Zuschauer auffordern, sich selbst zu fragen, ob er die dadurch auftretende Belastung auf sich nehmen will und kann. Wir halten den Film für künstlerisch so wertvoll, daß wir seine Ausstrahlung auch zu dieser Sendezeit angemessen finden."

"Schreie und Flüstern" erzählt von den letzten Stunden einer jungen Frau (Harriet Andersson), deren beide Schwestern (Ingrid Thulin, Liv Ullman) nicht in der Lage sind, der Leidenden den Todeskampf zu erleichtern, sondern sie vor lauter Egoismus die letzte Einsamkeit in voller Deutlichkeit spüren lassen. Nur eine junge Dienstmagd (Kari Sylwan) ist fähig, der Sterbenden das Gefühl von Wärme und Geborgenheit zu vermitteln.

Von den New Yorker Filmkritikern wurde dieses Werk zum besten Film des Jahres 1972 gewählt und mit Preisen für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet.

Information

Jeder zweite Zuschauer glaubt, das Fernsehen berichte über Ereignisse so, wie sie wirklich sind. Nur die wenigsten aber haben eine Vorstellung davon, wie Fernseh-Sendungen zustande kommen, und daß durch Auswahl und Bearbeitungsprozesse bisweilen ein gutes Stück Wahrheit auf der

Strecke bleibt. Diesem Informationsmangel will das ZDF mit seiner Sendereihe betrifft: Fernsehen abhelfen, die am 18. März beginnt. In einer Vorschausendung auf diese Reihe (Sonntag, 15.05 Uhr) geben Redakteure und Mitarbeiter einen Überblick über die geplanten Themen und über die Methoden, mit denen sie Arbeitsabläufe und Zwänge des Mediums Fernsehen deutlich machen wollen. ?

Der Iran erhebt offiziell einen Anspruch darauf, der maßgebliche militärische Faktor im Mittleren Osten und der Wächter über den Persischen Golf zu sein. Wieweit sich diese Vorstellungen von Schah Mohammed Reza Pahlevi mit den Realitäten seines Landes vereinbaren lassen, untersucht Peter Scholl-Latour in seinem Bericht Großmacht Iran? (Sonntag, 21.15 Uhr, ZDF).

Sondertip

Das 3. Programm setzt am Sonnabend um 21 Uhr die bemerkenswerte vierteilige DEFA- Produktion Jeder stirbt für sich allein nach dem Roman von Hans Falkida fort.

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