Walter Klam feiert Doppeljubiläum / Seit 20 Jahren am Thalia-Theater

Ein Bonvivant aus alter Schule

Als strahlender Liebhaber kam Walter Klam 1936 nach Hamburg ? als zittrigen Greis kann man ihn jetzt auf der Bühne sehen. Im Privatleben allerdings, wenn er lebhaft plaudernd den Bonvivant von einst wieder ahnen läßt, möchte man ihm seine 70 Jahre nicht glauben. Heute nämlich wird dieser wandlungsreiche Schauspieler 70 Jahre alt. Gleichzeitig feiert er im Thalia-Theater sein 50jähriges Bühnenjubiläum.

Das Hamburger Publikum konnte die ganze künstlerische Entwicklung von Walter Klam miterleben. Schließlich steht er seit nunmehr 37 Jahren auf hanseatischen Bühnen. Im damaligen Altonaer Stadttheater begann seine Hamburger Laufbahn, die ihm gleich von Beginn an große und schöne Rollen präsentierte. Grund genug für den geborenen Berliner, an der Elbe heimisch zu werden und auch nach Gastspielen in der Schweiz und in Wien mit beispielhafter Treue immer wieder hierher zurückzukehren.

Unter sieben Intendanten spielte Walter Klam, nach dem Altonaer Stadttheater von 1942 bis 1954 am Deutschen Schauspielhaus und seit zwanzig Jahren am Thalia-Theater, wo er nun in Ostrovskijs "Der Wald" sein Jubiläum feiert. Er erspielte sich mit warmherziger Sensibilität die Sympathie der Zuschauer, ? ob als Curt-Goetz-Interpret, dessen Rollen er besonders liebt, oder auch als' Charakterdarsteller des Biedermann oder des Wehrhahn im "Biberpelz".

"Charakterdarsteller" war er bereits als Abiturient, als er den Faust spielte. Sozusagen mit "Berliner Theatermilch gesäugt", wie er sich ausdrückt, konnte es schließlich nicht ausbleiben, daß der begeisterte Mime sein Jura-Studium zugunsten der Bühne aufgab. Im Rose-Theater stand sein Name bei seinem Debüt gleich an siebenter Stelle: als Chorführer in der "Braut von Messina". Über Hagen, Breslau und Darmstadt kam Walter Klam dann nach Hamburg, wo er seine zweite Heimat fand.

Seit jener Zeit wohnt er nun schon in der Altstädter Straße, vier Stockwerke über dem Verkehrsgewühl des Burchardplatzes. Mit Möbeln, die ihm seine Kollegen schenkten, zog er 1937 ein ? .ein Beweis dafür, wie beliebt Walter Klam nicht/ nur als Schauspieler, sondern auch als Mensch ist. Und wenn er heute (ab 1 1*30 Uhr) zum Jubiläum seine Freunde dort empfängt, wird vielleicht mancher sein Geschenk von damals wiedererkennen. Ein Empire-SekretäD, ein Stuhf und ein Tisch haben mit Walter Klam alle Höheh und einige Tiefen seines künstlerisch reichen Hamburger Lebens bis heute mitgemacht

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