Beschluß in der Bürgerschaft:Opposition lehnt Flächennutzungsplan ab

Die Osttangente wird doch gebaut

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Nach einem fast sechsstündigen Redegefecht hat die Bürgerschaft gestern am späten Abend den Flächennutzungsplan verabschiedet. Er regelt bis zum Ende der 80er Jahre die Städteentwicklung und legt die Flächen für Wohnungsbau, Arbeitsstätten, Freizeit und Verkehr fest.

Bevor sich die Abgeordneten in die mit Spannung erwartete Aussprache stürzten, kam es zum zweitenmal innerhalb weniger Wochen zu einem Zwischenfall auf der Zuschauertribüne des Rathauses. Studenten lie- ßen über die Brüstung der Tribüne ein Transparent herab, auf dem sie die Erhöhung der Ausbildungsförderung auf 500 Mark verlangten. Bürgerschaftspräsident Herbert Dau fordete die jungen Leute zum "sofortigen Verlassen des Lokals" auf. Die Studenten rollten ihr Spruchband daraufhin wieder ein.

Erst zum Ende entwickelte die Debatte über den Flächennutzungsplan den Glanz, den man von der Aussprache über ein so wichtiges Thema erwarten durfte.

Nach einem hitzigen Duell zwischen Oppositionsführer Jürgen Echternach und dem mit einer blendenden Rede überzeugenden Bürgermeister Peter Schulz griff auch der scheidende FDP-Fraktionsvorsitzende Peter-Heinz Müller-Link in die Debatte ein. Der engagierte Angriff Echternachs, die brillante Verteidigung des Bürgermeisters und der scharfe Sachverstand Müller-Links machten die Fronten deutlich : ? Die Opposition lehnt die Trabantenstadt Billwerder/Allermöhe für 70 000 Menschen als "Großmannssucht des Senats" ab. Statt einer

Großsiedlung auf der grünen Wiese, die doch nicht besser werde als der Osdorfer Born und das Märkische Viertel in Berlin, sollten lieber innenstadtnahe Wohnungen gebaut werden.

- Die Regierungsfraktionen halten das Großprojekt im Osten Hamburgs für unverzichtbar. Die noch freien Wohnungsbauflächen in der Innenstadt reichten nicht, um die Abwanderung von 1000 Hamburgern pro Monat zu stoppen.

- Bis auf die Osttangente von Billstedt über Dulsberg, Fuhlsbüttel und Langenhorn bis zur Autobahn nach Kiel werden weitere Stadtautobahnen vorerst zu den Akten gelegt.

Die CDU, die den gesamten Flächennutzungsplan ablehnte, forderte den Bau der Westtangente von der Landesgrenze bei Rissen bis zur Außenalster. Die SPD lehnte ab. Aber auf die Osttangente wollen die Sozialdemokraten nicht verzichten. Herbert Sassmann: "Der Bau dieser Stadtautobahn vermindert erheblich die Belästigung der rund 80 000 Menschen im Osten Hamburgs, weil sich der Autoverkehr durch ihre Wohngebiete quälen muß." Die Osttangente soll bis 1985 fertig sein. dr

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