Mönckebergstraße: Wohin mil den Autos!

Das Paradies hat noch kleine Fehler

EGBERT A. HOFFMANN

Die Pläne zur Umwandlung der Mönckebergstraße in ein Fußgängerparadies sind bei Geschäftsleuten auf heftige Kritik gesto- ßen. Die Handelskammer Hamburg hat insgesamt 260 Firmen an der Mönckebergstraße sowie' in den benachbarten Straßenzügen nach ihrer Meinung befragt. Dabei gaben 126 Unternehmen, also knapp 50 Prozent, an, daß sie mit empfindlichen Schwierigkeiten bei der Anlieferung und Abfuhr von Waren rechnen.

Besonders Firmen, die auf Lastwagen angewiesen sind, sehen un- überwindliche Schwierigkeiten auf sich zukommen, falls die Abfertigung von Zubringerfahrzeugen etwa auf die Nachtstunden verlegt werden müsse. Dafür gebe es kaum Personal, heißt es.

Schwierigkeiten erwarten auch die Geschäftsleute in den umliegenden Straßenzügen, vor allem in der Steinstraße und der Rathausstraße, durch die künftig der gesamte öffentliche und private Verkehr geleitet werden soll. Folgenschwere Verkehrsstauungen seien unvermeidlich, darunter leide besonders der Wirtschaftsverkehr.

Als Sprecher des Senats bestätigt Staatsrat Dr. Haas diese Bedenken: "Wir suchen noch nach Alternativen für den Straßenverkehr."

Bislang ungeklärt ist, ob die Stra- ßenbahn zwischen Rathausmarkt und Hauptbahnhof generell eingestellt werden soll, wenn die Mönckebergstraße zum Fußgangerparadies wird. Beim HW untersucht man zur Zeit auch die Möglichkeit, die Schienen in die Steinstraße und die Bergstraße mit Anschluß zum Jungfernstieg zu verlegen.

Das würde jedoch Unsummen kosten, abgesehen von der Tatsache, daß die Straßenbahn früher oder später ganz aufgegeben werden soll. In der Mönckebergstraße wird sie allerdings noch gebraucht, weil die Steinstraße die sonst notwendigen zusätzlichen Buslinien unmöglich aufnehmen kann. Staatsrat Dr. Haas meint, falls die Bahn unentbehrlich sei, solle man das Vorhaben lieber aufschieben.

Wesentlich einfacher sind die Probleme bei der bevorstehenden Umwandlung der Colonnaden in eine Fußgängerstraße. Die Busse werden über Gänsemarkt und Valentinskamp zum Karl-Muck-Platz fahren. Dadurch wird auch der Stephansplatz spürbar entlastet.

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