JW wird morgen 65 Jahre alt

Wer Jupp Wolff sagt, meint Fußball. Dieses Kompliment aus dem Kollegenkreis gilt einem Sportjournalisten, der 45 Jahre mit dem Fußball und für ihn gelebt hat. Ein "Genuß ohne Reue", wie er selbst sagt: "Wer Hobby und Broterwerb miteinander verbinden kann, muß dankbar sein. Ich habe für mich den schönsten Beruf der Welt."

Morgen wird Jupp Wolff 65 Jahre alt. Im Aurikelstieg in Garstedt dürfte Hochbetrieb herrschen, denn "JW" ist mit dem Sport und den Sportlern jung geblieben. Seine Vitalität, sein ungebrochenes Temperament, sein hoher Sachverstand und ein phänomenales Gedächtnis haben ihn in die erste Reihe der Fußball-Fachjournalisten geführt und jahrzehntelang auf diesem Platz gehalten.

Der Mann, dessen Laufbahn 1927 als freier Mitarbeiter bei der Westdeutschen Landeszeitung in Mönchengladbach begann und der seit 1934 in Hamburg lebt, hatte im Krieg nur einen Wunsch: das Ende mit gesundem Kopf und gesunden Händen zu erreichen. "Eine Schreibmaschine findet sich immer, und mein Archiv trage ich bei mir", sagte er damals und deutete lächelnd auf die Stirn.

Tatsächlich besaß der besessene Sportjournalist die Gabe, Daten und Namen zu speichern. So gewann er 1928 nach den Olympischen Spielen eine Wette ("um fünf Mark!"), als er die Olympiasieger sämtlicher Wettbewerbe aufsagtel Aufstellungen deutscher Fußball-Nationalmannschaften aus Spielen, die viele Jahre zurückliegen, schüttelt JW aus dem Ärmel.

Es gibt nicht viele Berufskollegen, die seinen "Rekord" überbieten können: sechs Fußball-Weltmeisterschaften, ebenso viele Olympische Spiele und weit über 300 Länderspiele sah der Träger der Goldenen VDS (Verband Deutsche Sportpresse) ? Ehrennadel in 65 Ländern aller Erdteile.

Nach dem Krieg schrieb Jupp Wolff für die Hamburger Allgemeine, die Hamburger Freie Presse und seit 1948, als Leiter des Nordbüros des Sport-Informations-Dienstes, für das Hamburger Abendblatt, bei dem er seit 1951 als Redakteur wirkt.

Wenn man den Vielgereisten nach dem Spiel aller Spiele fragt, überlegt er keine Sekunde: "Das Weltmeisterschaftsfinale 1954 In Bern, als die deutsche Mannschaft mit dem 3:2 über Ungarn den Titel gewann." Und ebenso leicht fällt ihm die Antwort auf di" Frage, wer von den vielen Spielern, die ihm begegneten, ihm am nächsten gestanden habe: "Das ist Uwe Seeler!"

Einmal, es ist fast zwei Jahre her, bangten Frau Maria und die drei Söhne Claus-Dieter (28), Jürgen (26) und Andreas (9) um den Vater. Ein Herzinfarkt riß ihn für sieben Monate aus der geliebten Hast des Alltags. Jupp Wolff überwand auch diesen Schlag. Der Mann, der die prominenten Bundestrainer Sepp Herberger und Helmut Schön duzt und der in den Klubhäusern vieler weltberühmter Vereine gern gesehener Gast ist, kehrte in die Fußball-Arenen zurück, in die Atmosphäre, die sein Leben ist. Und die es ? das werden ihm morgen viele, viele Freunde von Herzen wünschen ? noch lange bleiben soll. rü.

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