Straßen ausreichend - Nahverkehr fördern!Die Trassen bleiben

Verzicht auf Stadt- Autobahn

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Der Senat möchte vorerst auf den Bau von Stadtautobahnen verzichten. Aber die Trassen für wichtige Verbindungen sollen freigehalten werden. Zu diesem Konzept bekannten sich gestern vor der Landespressekonferenz Wirtschaftssenator Helmuth Kern und Bausenator Caesar Meister. Ihre Alternative: Ausbau des Nahverkehrs mit Park-and-ride-Plätzen.

Das Theima Stadtautobahnen wird seit längerer Zeit heiß diskutiert. Bürgerinitiativen machten massiv Front gegen bekanntgewordenen Pläne, durch dichtbebaute Wohnviertel Stadtautobahnen zu kerben oder sogar Kanäle wie den Isebek-Kamal für den Schnellverkehr zuzuschütten.

Kürzlich nahm auch der ADAC Stellung: "Wir plädieren für Stadtautobahnen, weil sie benachbarte Wohnviertel entlasten." Als Vertreter der Baubehörde forderte Baudiirektor Konrad Malfeld, man müsse den Straßenverkehr bündeiln, um ihn aus den Wohnvierteln abzuziehen. Genau das sei die Aufgabe von Stadtautobahnen.

Maldifelds Chef, Senator Meister, war gestern anderer Meinung: ?Ich bin bereit, auf Stadtautobahnen zu verzichten. Wissen wir denn, wie unsere Autos in

20 Jahren aussehen"" Senator Kern wurde deutlicher: ?Bevor wir über Stadtautobahnen diskutieren, sollten wir zunächst .unser Nahverkehrs-Konzept realisieren. Übrigens ist Hamburgs Straßennetz heute für den Wirtschaftsverkehr völlig ausreichend. Schwierigkeiten gibt es nur während der Rush-hour. Trotzdem beneiden uns viele andere Großstädte um unser Straßennetz."

Zur Debatte stehen als Stadtautobahnen der Alster-Haibring und die sogenannte Kermitangente mit einem Aistertunmel zwischen Rabenstraße und Sechsiinigspforte. Für beide Projekte steht im Augenblick kein Geld zur Verfügung.

Eine dritte Stadtautobahn, die sogenannte Osttangenhe zwischen Barmbek und Kieler Autobahn ? parallel zur Langenhorner Chaussee ? bewertet Senator Meister anders: "Der mittlere Straßenrinig zwischen Hörn und der City Nord ist zur Zeit schon so stark befahren, daß eine Entlastung fällig ist. Das braucht nicht unbedingt die Ostbanigente zu sein. Ich kann mir auch einen Stra- ßenbogen weiter außerhalb vorstellen."

Hamburg hat heute 477 000 zugelassene Personenwagen. Für 1990 erwartet diie Baubehörde 570 000 Privatwagen ? also 20 Prozent mehr. Die Fachleute hoffen, daß das innenätädtisdhe Straßennetz nach der Eröffnung der westlichen Umgehungsautofoahn Ende 1974 spürbar entlastet wird. Dazu Kern: "Wenn wir dann auch noch unsere Schnellbahnen ausbauen, brauchen wir den Alster- Halbring und die Kemtangenite vielleicht gar nicht mehr."

Über den fragwürdigen Nutzen von Stadtautobahnen ist man sich, wie Meister bestätigte, im Senat durchaus im klaren: Solche Schnellstraßen können Verkehr absaugen, aber auch zusätzlichen Verkehr anziehen. Und genau das will man nicht.

EGBERT A. HOFFMANN

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