Heiligengeistfeld-Bunker muß weichen Post plant eine neue Vermittlungsstelle

Dieser Klotz wird eine harte Nuß für die Sprengmeister

Wem gehört der graue Betonbunker auf dem Heiligengeistfeld an der Budapester Straße? Mit dieser kniffligen Frage beschäftigen sich die Liegenschaftsverwaltang und die Oberpostdirektion Hamburg, seitdem die Rohbaupläne der Bundespost feststehen: Sie will den 1943/44 gebauten Betonklotz sprengen und dort für mehr als hundert Millionen Mark eine zehnstöckige Fernmeldeknoten-Vermittlungsstelle errichten.

Schon im nächsten Jahr möchte die Post mit dem kostspieligen Abriß, der zwei bis drei Millionen Mark teuer ist, beginnen. Für die Sprengmeister stellt sich dabei eine nicht alltägliche Aufgabe: Sie müssen 2,50 Meter dicke Außenwände und eine 3,80 Meter starke Decke sprengen, ohne daß in der Nachbarschaft Fensterscheiben zerspringen.

Wie die Liegenschaftsverwaltung erklärte, verkauft sie der Post für ihr Bauvorhaben 6600 Quadratmeter Baugrund aus dem Besitz der Stadt. Zu der Frage nach dem Eigentümer des Bunkers gibt es zwei sich widersprechende Auffassungen: Der Bundesgerichtshof hat einmal entschieden, daß der Grundeigentümer (in diesem Fall Hamburg) auch Eigentümer des im Dritten Reich erstellten Gebäudes ist. Das Bundesverwaltungsgericht vertritt dagegen die Meinung, ein Bunker gehöre dem Bund.

Bis 1976 will die Bundespost ihre neue Fernmeldeknoten-Vermittlungsstelle, über die alle von Hamburg aus geführten Ferngespräche laufen, im Rohbau fertig haben. Damit soll die jetzige Vermittlungstelle in der Schlüterstraße entlastet werden.

Schon vom nächsten Jahr an rechnet die Post mit einer Million Fernsprechkunden; heute zählt sie mehr als 800 000 Telefonbesitzer in der Hansestadt. Das neue Gebäude, in dem mehr als hundert Menschen arbeiten sollen, wird 50 Meter lang und 25 Meter breit. Im Jahre 2000 soll die Vermittlungsstelle um einen 50 Meter langen Erweiterungsbau vergrößert werden.

Die Bundesvermögensverwaltung muß nun ihren Mietern im Bunker, das sind außer der Post zahlreiche Privatfirmen, die Mietverträge kündigen. h. h. s.

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