Erschoß Rolf Assmann zwei Liebespaare?

Anklage: Vierfacher Mord

Von unserem Redaktionsmitglied Werner Erdmann

Arnsberg, 27. Oktober Die Anklage lautet auf vierfachen Mord, begangen am Abend des 26. Juni vorigen Jahres auf dem ehemaligen Schießplatz in Ostsümmern bei Menden am Rande des Sauerlandes. Angeklagt ist der heute 23jährige Elektrikerlehrling Rolf Assmann aus Iserlohn. Vom kommenden Montag an muß er sich vor dem Schwurgericht beim Landgericht Arnsberg verantworten.

Nahezu alles deutet nach Ansicht der Staatsanwaltschaft darauf hin, daß Assmann die beiden Liebespaare ? Gabriele Kernbügler (16) und Clemens Großmann (18) sowie Rita Schneidersmann (20) und Helmut Meyer (24) ? erschossen hat. Assmann indes bestreitet bislang hartnäckig, die Verbrechen begangen zu haben. Er schiebt die Mordtaten seinem Freund Volker Bendig (17) zu. Er selber sei "nur dabeigewesen", als die vier erschossen wurden.

Doch Bendig kann sich nicht mehr wehren. Er ist tot. Bei einem Mopedunfall am 12. Juli 1971 kam er ums Leben. Bendig saß auf dem Soziussitz des Mopeds, das sein Freund Assmann gesteuert hatte.

Runde sechs Wochen fahndete eine Sonderkommission der Dortmunder Kriminalpolizei nach den Tätern. Am 30. Juli vorigen Jahres gab Generalstaatsanwalt Erich Heimeshoff aus Hamm die Meldung persönlich heraus, daß Assmann gefaßt worden sei und untetf ' dringendem Tatverdacht stehe. 20 000 DM Belohnung für Hinweise auf die Täter hatte die Staatsanwaltschaft vorher ausgesetzt.

Zwei Hinweise führten zur Verhaftung Assmanns, nachdem sich der Verdacht zeitweise auf zwei andere junge Männer gerichtet hatte. Der erste Hinweis kam von der 16jährigen Ursula Wollenweber, die am 13. Juni zusammen mit ihrem 19jährigen Freund bei Iserlohn das Opfer eines Notzuchtverbrechens geworden war. "Ich könnte nicht beeiden, daß Assmann und Bendig nicht die Tater sind", erklarte sie am 26. Juli der Mordkommission, nachdem sie Wochen vorher ausgesagt hatte, "ich würde es sagen, wenn es die beiden gewesen wären". Ursula Wollenweber kannte Assmann und Bendig. Alle drei wohnten in der Gütenbergstraße in Iserlohn.

Eingehende Untersuchungen der bei Iserlohn und in Ostsümmern an den Tatorten gefundenen Patronenhülsen durch das Bundeskriminalamt in Wiesbaden hatten bereits Anfang Juli den Beweis geliefert, daß beide Male die gleiche Waffe ? ein Trommelrevolver vom Typ "Arminius" ? benutzt worden war. Ursula Wollenweber und ihr Freund waren von den Verbrechern indes nur durch Pistolenschüsse eingeschüchtert worden.

Der zweite, wahrscheinlich entscheidende Hinweis wurde ebenfalls am 26. Juli erbracht. Assmanns Freundin, die 18jährige Ulrike Bahr, erschien freiwillig vor der Mordkommission und gab zu Protokoll: "Assmann hat mir erklärt: ,Ich habe Kniest mit meinen Eltern wegen des Dings von Summern.' Später hat er sich selbst bezichtigt: ,Ich bin der Täter. Geh lind hol dir die 20 000 DM Belohnung ab.'"

Am Morgen nach dem Tatabend am 27. Juni, einem Sonntag, hatte ein britischer Major das vierfache Verbrechen entdeckt. Auf einem Spaziergang mit Frau und Tochter sah er die vier Ermordeten. Sie lagen nebeneinander mit den Gesichtern zur Erde. Die Mädchen waren nackt. Acht Kopf- und Genickschüsse aus kürzester Entfernung hatten ihrem jungen Leben ein vorzeitiges Ende gesetzt.

In seinem Teilgeständnis sagte Assmann zur Tat lediglich aus: "Wir wollten die beiden Mädchen haben." Das Schwurgericht muß nun Licht in diese Mordtaten bringen, die zu den härtesten 'Kriminalfällen der Nachkriegszeit zählen.

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