Gymnastik als wirksames Mittel der Nachbehandlung

Sport statt Liegekuren nach dem Herzinfarkt

Vom Herzinfarkt zum Sport ? nach dieser ... Methode praktizieren seit einigen Monaten Hamburger Ärzte eine für Deutschland neue Therapie: Patienten, die die akute Phase des Herzinfarktes überstanden haben und aus der RehabilitationjSkl'inik entlassen worden sind, werden sportmedizinisch, "nachibehandelt". Triim/mdich-Ubungen statt absoluter Passivität, Sport in der Turnhalle ersetzt Liegekuren zu Hause.

Die Erkenntnis, daß körperliches Training den "Herzinfarktlern" bei der Wiedereingliederung In den Alltag helfen kann, wurde von den deutschen Professoren Donat (Hamburg) und Halhiuber (München) aus Israel "importiert". Andere Ärzte aus den Bereichen Wissenschaft, Industrie und' Sport zeigten sich interes-i eiert, berieten, werteten ähnliche Modelle der Infarktbetoeuung aus.

Seit Oktober vorigen Jahres treffen sich jeden Sonnabend ab 9.30 Uhr in I der Halle der Hamburger

Tumerschaft von 1816 (Sievekingdamim 7) rund 60' Herzpatienten zur gemeinsamen Gymnastik unter Anleitung eines hierfür speziell vorbereiteten Sportlehrers. Aufmerksamer Beobachter und ärztlicher Betreuer dieses etostündigen Trainings ist der: Internist Dr. Hans-Georg Ilker, zugleich 2. Vorsitzender der Hamburger Turnersdhaft.

"Es hat bisher keine Zwischenfälle beim Ubungsprogramm gegeben", erklärt Dr. Ilker. "Wenn wir überhaupt eine gesundheitliche Sorge für unsere .Sportkameraden' haben, so -ist es die, daß durch eine eventuell eingeschobene Kur der gute Trainingszustand unterbrochen wird, weil die Kurorte noch nicht genügend in dieser Neuentwicklung mitgezogen haiben."

Die Übungsstunde läuft ganz "normal" ab. Zuschauer würden erst dann Ungewöhnliches bemerken, wenn während einer kurzen Pause die Teilnehmer zur Kontrolle sich selbst den Puls messen. Nach der Gymnastik kommen Patienten und Arzt zu einer Besprechung zusammen,! um Fragen der Lebensführung oder des individuellen häuslichen Trainingsprogramims KU klären.

Die Hsfflaburger Tumerschaft voti 1816 unterstützt leidenschaf tlioh ? ? wie ihr Vorsitzender Hans - Reip betont ? diese neue Infarktbefcreuüng: "Der Wert solcher Therapie ist auch für uns noch nicht abzusehen, erreichen wir doch damit eine PerSohengruppe, die bisher fü? den Sport nicht gewonnen werden, konnte. Als Verein, der sich zu 80% dem Breitensport widmet, bieten Wir ein vielfältiges Angebot des sogenannten .zweiten Wegs'. Dde Herzdnfarktlar können später bei uns Mitglied Werden und sich in anderen Abteilungen sportich betätigen."

Schon trägt die Pionier-r arbeit der Hamburger Tumerschaft Früchte ? in anderen Klubs werden ebenfalls Infarkt-Trainingsgemeinischaften gegründet (Eimsbütteler Turnverein, Harburger Turnerbund, Rissener Sport verein). Doch das genügt nicht, will man alle in Frage kommenden .Hetajwtlenten in Spezialgrubpen

Es bleibt noch eine fclemge zu tun ? auch seitens 4er Arzte, pr Ilker: "Zunächst müssen viele unserer Köl* legein umdenken. Sie haben diesen Schritt von der sehr passiven zur aktiven Einstellung In Form der Bewegungsitiherapie hoch nicht getan." ?'??'?

Umgedacht werden könnte möglicherweise auch bei den Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern. Jeder Übungsteilnehmer zahlt äh" .den Sportklub pro Monat 12,? DE Warum sollen ;?' diese Kosten unbedinjgt die Patienten tragen ? wenn diese auf Grund der neuen Therapie früher (und mit weniger , Rückf a.Ilsneigung) ? in den Arbeitsprozeß wieder eingegliedert werden?

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.