Albin Molnar pflegt Seele und Nerven

Klei, 7. Juni

Die Meinungen darüber, welchen sportlichen Wert die Regatten der diesjährigen Kieler Woche für die Segler aus der Bundesrepublik im Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele haben, sind geteilt. Zu denjenigen, die das Abschneiden der DSV- Segler während der sieben Wettfahrttage für nicht mehr halten als einen privaten Test, gehört auch Albin Molnar, seit Anfang des Jahres deutscher Segel-Bundestrainer.

"Diejenigen, die sich Hoffnungen auf die Olympia-Teilnahme machen, müssen erst unmittelbar nach der Kieler Woche ihr Können beweisen, wenn wir auf dem Olympia-Revier die interne Olympia-Qualifikation aussegeln. Die einzelnen Klassensieger werden die Bundesrepublik dann beim Kampf um olympische Medaillen vertreten". Albin Molnar, der 38jährige Ungar mit dem strohblondenHaar, ist selbst ein erfahrener Segler, der sein Land 1960 bei den Olympischen Spielen vertrat und seit 1965 Nationaltrainer der Ungarn war.

Er sieht seine Aufgabe vor allem in der psychologischen Betreuung. ?Technik, Segeltaktik und Kondition bringen die Spitzensegler meist mit. Was schließlich über Erfolg oder Mißerfolg entscheidet, sind dann nur noch Unterschiede in der seelischen Verfassung. Die

allein ist für sieben, über zehn Tage verteilte Regatten ausschlaggebend. Da muß man mal Euphorie bremsen, dort muß man mal Niedergeschlagenheit überwinden helfen." Der neue Bundestrainer begreift seinen Job also mehr als Seelendoktor denn als Taktik-Trimmer.

Er hat gleich zwei Beispiele parat, die ihm "eigentlich" überflüssig machen: "Willi Kuhweide und Ulli Libor brauchten mich gar nicht." Und er liefert die Begründung für seine Behauptung : ?Willi Kuhweide ist wegen seines Berufs als Pilot an Streß gewöhnt. Er hat Nerven wie Drahtseile. Bei Ulli Libor liegt es anders. Der Hamburger hat vor vier Jahren in Acapulco Silber ersegelt. Er will sich steigern. Für ihn zählt nur eine Goldmedaille oder bestenfalls die Wiederholung des zweiten Platzes. Eine Bronzemedaille wäre für ihn bereits ein Mißerfolg. Das ist seine Antriebsfeder, das läßt ihn auch kämpfen.

Ein Bundestrainer also, der sich selbst in Frage stellt, der sich selbst gar für überflüssig hält? "Nicht ganz. Es gibt noch viele andere gute deutsche Segler, denen ich helfen will und vielleicht auch helfen kann, Namen möchte ich nicht nennen, Sie verstehen!"

Albin Molnar, der Psychologe, weiß eben sehr gut, daß Schweigen im richtigen Moment auch zur angewandten Psychologie gehört

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