Nachfrage-Boom in der Zweiradindustrie / Lange Lieferfristen

Der Start verspricht viel

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Von unserer Frankfurter Redaktion

sw. Frankfurt ? Einen vielversprechenden Start hat in diesem Jahr die westdeutsche Zweiradindustrie. Die ersten schönen Tage kurz vor Frühlingsbeginn trieben die Nachfrage so sehr in die Höhe, daß viele Hersteller bereits zu monatelangen Lieferfristen übergehen mußten, und dies, obwohl die Lagerbestände, wie der Verband der Fahrrad- und Motorradindustrie mitteilt, zu Saisonbeginn durchweg höher waren als in früheren Jahren.

Besonders gefragt sind führerscheinfreie Mofas (schon 15jährige können $ie benutzten) und schwere Motorräder. Engpässe bestehen nicht zuletzt auch bei Rennsporträdern mit Kettenschaltungen, die immer beliebter werden. Der Absatz von Klappfahrrädern läuft ebenfalls reibungslos.

Auf den bundesdeutschen Markt kamen im letzten Jahr 3,25 Millionen neue Zweiräder, rund 718 000 mehr als 1970. Die Inlandslieferungen industriell gefertigter Markenfahrräder und Rahmen für Konfektionsräder stiegen um 28,6 °/o auf 2,902 Mill. Einheiten. Die Produktion erhöhte sich um 20 "/o auf 2,822 Mill. Stück.

Von den 351 725 (279 237) motorisierten Zweirädern, die auf den bundesdeutschen Markt geliefert wurden, verbuchten Mofas eine Steigerung um 36,6 °/o auf 230 305 (168 613) Einheiten. Die Inlandsproduktion wuchs um 51,6 %> auf 105 204 (69 468), die Einfuhr um 26,2 °/o auf 125 101 (99 145) Stück. Die stärkste prozentuale Zunahme bei den Inlandslieferungen hatten Motorräder und Motorroller mit 124 "Vo auf 27 383 (12 221) Stück. Die Fertigung erhöhte sich um 44,5 Vo auf 31 067 (21 491) Einheiten.

Wie weiter mitgeteilt wurde, gab es zu Beginn dieses Jahres rund 15 800 km Radwege in den Bundesländern und den Städten mit über 40 000 Einwohnern. Das sind knapp 780 km mehr als im Jahr zuvor. An etwa 7,5 °/o der wichtigen Straßen sind Radwege vorhanden. In der Bundesrepublik gibt es zur Zeit etwa 24,5 Mill. Fahrräder und weit über 300 000 Mofas.

Wenn im letzten Jahr über drei Millionen Bundesbürger ein Mofa oder Fahrrad kauften, dann nicht nur, um mit ihnen im Grünen spazierenzufahren. Zweiräder, so meint der Verband, werden vielfach auch im Stadtverkehr benutzt. Soll dabei die Sicherheit nicht zu kurz kommen, dann sei eine "Verkehrsentmischung" und damit die Anlage von Rad/Mofa-Wegen unerläßlich. Diese Auffasung werde auch von Verkehrsplanern in Großstädten vertreten.

So stellte Hamburg in ihren "Berichten und Dokumenten" fest, daß Fahrräder mehr als jedes andere Verkehrsmittel im Gelegenheitsverkehr verwendet werden. Radwege seien vor allem in den Straßen erforderlich, in denen der Kraftfahrzeugverkehr in Kolonnen fährt.

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