55 Hamburger Handelskammer kritisiert Verkehrs-Leitlinien

"Wirtschaft benachteiligt"

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Der Wirtschaftsverkehr in der Innenstadt sollte dem öffentlichen Verkehr grundsätzlich gleichgestellt sein. Diese Forderung ist einer Stellungnahme zu entnehmen, die die Handelskammer Hamburg jetzt zu den vom Senat formulierten "Leitlinien für den Nahverkehr" ver- öffentlicht. Unter "Wirtschaftsverkehr" versteht die Kammer nicht nur Lastwagen zur Güterversorgung der Innenstadtfirmen, sondern auch den PKW- Verkehr, soweit er geschäftlichen Zwecken oder zum Einkaufen dient.

Die Kammer begrüßt ohne Einschränkung die vor zwei Jahren beschlossenen "Leitlinien", weil sie in erster Linie dem Berufsverkehr helfen sollen. Außerhalb der Spitzenverkehrszeiten werden diese Direktiven, wie bei der Handelskammer bekannt wurde, jedoch nicht als ausreichend erachtet.

Im einzelnen wird vorgeschlagen, ein leistungsfähiges "übergeordnetes" Straßennetz in

der inneren Stadt anzulegen, das überwiegend den Durchgangsund Zubringerverkehr aufnimmt. Dieses Netz sei nur ein "Nachholbedarf" und dürfe nicht aus nahverkehrspolitischen Gesichtspunkten hinausgezögert werden. In diesem Zusammenhang sei die sogenannte Kerntangente ? unter anderem eine Tunnelverbindung zwischen den Stadtteilen beiderseits der Außenalster ? dringend erforderlich. Ferner müßten wichtige Kreuzungen und andere Engpässe in der Innenstadt durch Überführungen oder Tunnel entschärft werden.

Während der Spitzenverkehrszeit hat auch nach Ansicht der Handelskammer der Berufsverkehr Vorrang . Während des übrigen Tages sollte jedoch der Wirtschaftsverkehr dominieren. Warenanlieferung mit Schwerlastkraftwagen müßte möglichst auf die Zeit zwischen 19 und 7 Uhr beschrankt bleiben. Das dürfe allerdings nicht für Fahrzeuge bis drei Tonnen Nutzlast gelten, denen keine Beschränkungen auferlegt werden sollten.

Die von der Handelskammer vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verbesserung des Hamburger Nahverkehrs sind nach Ansicht von Bürgermeister Helmuth Kern "grundsätzlich zu begrüßen".

Kern bestreitet jedoch die in der Studie vertretene Ansicht, daß die "Leitlinien" des Senats sich nicht genügend mit dem Wirtschaftsverkehr auseinandergesetzt hätten. Wenn die ..Leitlinien" speziell auf die Verbesserung des Berufsverkehrs abzielten, dann deshalb, weil auf diese Weise der flie- ßende und ruhende Wirtschaftsverkehr gefördert werden könne.

Der Bürgermeister fordert in diesem Zusammenhang eine weitere Verkürzung der Parkzeiten sowie eine gezielte Erhöhung der Parkgebühren. hn

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