Haftbefehl gegen Assmann lautet auf Mord

Ein Mädchen gab den ersten Hinweis

Von unserem Redaktionsmitglied Werner Erdmann Menden, 31. Juli Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Freitag in Menden und Iserlohn die Nachricht über die wahrscheinliche Aufklärung des vierfachen Mordes vom 26. Juni in Ostsümmern bei Menden. Der Generalstaatsanwalt in Hamm, Heimeshoff, gab die Meldung persönlich heraus. Die Ortszeitung in Menden erschien mit einem Extrablatt. Überall standen Gruppen von Bürgern in den Straßen und diskutierten über diese Neuigkeit, auf die sie wochenlang gewartet hatten.

Das scheußliche Verbrechen, bei dem zwei junge Mädchen und zwei junge Männer heimtückisch erschossen wurden, hatte seit dem 26. Juni für die Einwohner der Gegend Gesprächsstoff geliefert. Der mutmaßliche Täter ist der 22 Jahre alte Elektriker-Lehrling Rolf Assmann aus Iserlohn. Sein mutmaßlicher Komplice, der 17 Jahre alte Arbeiter

Volker Bendig, ist tot. Er kam am 12. Juli bei einem Moped- Unfall ums Leben. Assmann, der ebenfalls auf dem Moped gesessen hatte, erlitt eine Gehirnerschütterung und lag bis gestern im Krankenhaus in Iserlohn. Gestern wurde er, nachdem ein Haftbefehl ausgestellt worden war, ins Lazarett der Strafvollzugsanstalt Bochum übergeführt.

Bei einer gerichtlich angeordneten Durchsuchung der elterlichen Wohnungen von Assmann und Bendig wurden bei Assmanns mehrere Patronenhülsen gefunden. Sie wurden mit Eilboten zur kriminaltechnischen Untersuchung ins Bundeskriminalamt nach Wiesbaden gebracht.

Heute vormittag wird Oberstaatsanwalt Franz Drouven von der Staatsanwaltschaft Arnsberg Assmann in Gegenwart des Untersuchungsrichters eingehend vernehmen. Assmanns Gesundheitszustand erlaubt dies, da er schon am Montag aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte.

Zwei Hinweise, beide am 26. Juli der Mordkommission in Menden gegeben, führten zur Verhaftung Assmanna. Der erste Hinweis kam von der 16jährigen Ursula Wollenweber, die am 13. Juni zusammen mit ihrem 19jährigen Freund bei Iserlohn einem Notzuchtverbrechen zum Opfer gefallen war. Der zweite kam von einer Freundin Assmanns, deren Namen und Alter der Oberstaatsanwalt nicht preisgibt.

Eingehende Untersuchungen der an den Tatorten des 13. Juni bei Iserlohn und des 16. Juni in Ostsümmern gefundenen Patronenhülsen im Bundeskriminalamt hatten bereits Anfang Juli den Beweis erbracht, daß beide Male die gleiche Waffe ? ein Trommelrevolver vom Typ "Arminius" ? benutzt worden war. Die Mordkommission folgerte daraus, daß auch die Täter dieselben sein müßten.

Ursula Wollenweber hatte bei ihrer Vernehmung nach der Bluttat von Ostsümmern zugegeben, sowohl Assmann als auch Bendig zu kennen. Alle drei wohnen in der Gutenbergstraße in Iserlohn.

"Ich würde es sagen, wenn es die beiden gewesen wären, die uns überfallen haben", hatte Ursula Wollenweber erklärt. Lange war sie bei dieser Darstellung geblieben. "Vielleicht aus Angst", sagt der Oberstaatsanwalt, "schließlich waren sie und ihr Freund von den Tätern mit dem Tode bedroht worden, wenn sie zur Polizei gehen sollten."

Am 26. Juli aber änderte die 16jährige ihre Aussage. "Ich könnte nicht beeiden, daß Assmann und Bendig nicht die Täter sind", erklärte sie der Mordkommission.

Am gleichen 26. Juli erschien freiwillig eine Freundin Assmanns bei der Mordkommission. Sie sagte: "Assmann hat mir erklärt: ,Ich habe Kniest mit meinen Eltern wegen des Dings von Summern!' Später habe er sich selbst bezichtigt: ,Ich bin der Täter. Geh und hol dir die 20 000 Mark Belohnung ab.'"

Bei der Durchleuchtung von Assmanns Vergangenheit ? er ist vorbestraft, weswegen sagt der Oberstaatsanwalt indes nicht ? stießen die Kriminalbeamten auf mehrere Tatbestände: 1969 wurde er von einer Streife gestellt, als er verschiedene Waffen und Äther bei sich führte. "Äther", so der Oberstaatsanwalt, "läßt auf Gewalttaten schließen."

Fest steht zudem, daß 'Assmann und Bendig ? Zeugen bestätigten es ? wiederholt auf dem Schießplatz in Ostsümmern geschossen haben; daß Assmann einmal ein Gewehr auf zwei Jäger anlegte und dabei erklärte: "Wenn die näher kommen, mache ich den Finger krumm."

Der diunkelrote Fiat 850, der am 26. Juni abends auf dem Schießplatz gesehen wurde, ist am Tattag von Assmann gefahren worden.

Der Haftbefehl wurde wegen des dringenden Verdachts auf ein Notzuchtverbrechen und vierfachen Mordes ausgestellt. "Wer gesehen hat, wie die vier Leichen nebeneinander auf dem Schießplatz lagen, kann daraus nur schließen, daß es ein heimtückisches Verbrechen war, die jungen Leute umzubringen. Ich kann nur hoffen, daß Assmann der Wahrheit die Ehre gibt und ein Geständnis ablegt", schließt der Oberstaatsanwalt die Schilderung der "eingetretenen neuen Entwicklung im Mordfall Summern", wie der leitende Oberstaatsanwalt Maaß die Ereignisse der letzten dramatischen Tage nennt.

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