Oswald Paulig als Zeuge: Zunächst an Wichtigtuerei geglaubt

Der Fall Dethlefs spitzt sich immer mehr zu

Der bürgerschaftliche Untersuchungsausschuß im Fall Dethlefs hat nach seiner dritten Sitzung die Zeugenvernehmung abgeschlossen. Ist der SPD-Abgeordnete Dethlefs ein Wichtigtuer oder hat er einen ernsthaften Bestechungsversuch unternommen? Dr. Jürgen Westphal (CDU) kündigte an: "Wir werden dafür sorgen, daß den Architekten Kruse das Grundstück Palmaille, das ihnen von der Stadt überlassen worden ist, zunächst wieder abgenommen wird."

Der CDU-Sprecher vertritt die Aufassung, der Versuch der Beeinflussung eines Abgeordneten in der Bodenordnungskommission sei nachgewiesen.

Entscheidend für diese Auffassung war die Aussage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Max Reimer. Er berichtete, daß er auf einer Bürgerschaftssitzung von Friedrich Dethlefs angesprochen und aufgefordert worden sei, bei der Vergabe des Grundstückes Palmaille für die Architektengemeinschaft Kruse zu stimmen. Kruses seien erstens Mitglieder der SPD, zweitens würden sie eine Spende von 40 000 Mark an die Parteikasse zahlen.

Reimer hatte am nächsten Tag den Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Hartmann von diesem Vorfall unterrichtet. Hartmann wiederum verständigte den Landesvorsitzenden Oswald Paulig. Trotzdem sprach sich Reimer in der entscheidenden Abstimmung der Bodenordnungskommission für die Vergabe des Grundstücks an die Architekten aus. "Allein sachliche Überlegungen" hätten dazu geführt, sagte Reimer.

Hartmann und Paulig bestätigten diese Darstellungen. Als der Zeuge Paulig vom Untersuchungsausschuß gefragt wurde, warum er nicht sofort eingegriffen hätte, begründete er: "Ich kenne Dethlefs seit langem. Er neigt zur Wichtigtuerei."

Paulig und Fraktionsvorsitzender Gerhard Brandes hätten Dethlefs und auch die Architekten sofort dazu gehört und den Eindruck gewonnen, daß die Geschichte nicht ernst zu nehmen sei. Erst als das SPD-Mitglied der Bodenordnungskommission, Otto Dühlk, an Brandes einen Brief geschrieben hatte, wurde die Sache nochmals aufgerollt.

Die Architekten Adolph und Klaus Kruse bestritten entschieden, Dethlefs jemals beauftragt zu haben, für sie "in Sachen Palmaille" tätig zu werden. Mit ihnen bestätigte der Vater von Klaus Kruse, der Unternehmer Wilhelm K. Kruse, daß Friedrich Dethlefs ein Idealist sei. SPD-Mitglied Wilhelm Kruse: "Jede andere Partei würde ihn in Gold faassen." ga

Fotos: LEHMANN, CLAUSSEN

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