Die Band des Böhmen Berka

Talent-Scouts aus den Staaten pflegen die Bundesrepublik mit gerunzelten Trommelfellen und leeren Taschen zu verlassen, falls sie sich überhaupt einmal in das Musterländle provinzieller Popmusik verirren. Anders erging es Bunny Freidus, Promotionchefin der amerikanischen CBS, die als Talentpfadfinderin in Deutschland teutonische Töne testete. Sie riß die Kopfhörer von den klingenden Ohren und sagte sinngemäß : ? Dat löpt !" Was die wählerische Sendbotin aus Amerikas Top-Pop-Kreisen so bemerkenswert fand, soll

gleichzeitig als Langspielplatte in USA und Deutschland starten, ist die Musik des ehemaligen Diplomkaufmanns und Beamten im Prager Außenhandelsministeri um, Hanus Berka (30), und seiner Gruppe "Emergency". Hanüs, nach eigenen Angaben als Kind "untergefressen" (unterernährt), machte trotzdem später seinen Doktor und ein Diplom als Dirigent und Komponist am Prager Konservatorium. 1964 wurde Dr. Berka bei den Düsseldorfer Jazz -Tagen als bester Tenor-Saxophonspieler gefeiert, 1966 ging er mit Karel Gott nach Las Vegas, wurde Ehrenbürger der Hochburg amerikanischer Show-Größen und musizierte dann ein bißchen mit Count Basie und Ray Charles".

Weil Karel "Musik macht, die mich nicht mehr interessiert", trennte sich der Jazz -Virtuose und Coltrane-Fan von seinem Partner. Mit einer "Jazz Messe" holte er sich beim Osloer Jazzfestival eine Preiskrönung, tingelte mit "Hair" durch deutsche Städte und gründete endlich in München "Emergency".

Der kunstlos schön und schwarz singende Reddy (26), der aussieht wie ein naher (wenn auch bartloser) Verwandter Rasputins, hat original indianische Eltern, Sioux, die es nach Prag verschlagen hatte. Er gehört wie Jiri Matousek, genannt George (Piano und Orgel), und Otto Bezloja (Baßgitarre) zu den alten Freunden und Weggenossen von Hanus. Barry Newby, ein Londoner Gitarrist, der die Saiten seines Instruments so sensibel schlägt, wie Fred Glickstein von den "Flock" und schließlich Hamburgs Top- Trommler Udo Lindenberg wollen dem Böhmen Berka auf dem Weg in die Weltrangliste folgen. In diesem Monat wird die Platte der Prager aus München Premiere haben. Wenn sie annähernd das bietet, was ich "Emergency" beim Üben in Manager Abi Ofarims Keller ablauschen konnte, ist hierzulande eine Pop-Gruppe beheimatet, die in rhythmischer Vehemenz und musikalischer Präzision mit "Blood Sweat & Tears" oder "Chikago" zu vergleichen ist. Das kommt davon, wenn man vom Jazz kommt.

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