Abschied von Walther Bullerdick

Im kommenden Februar hätte Walther Bullerdiek, der ? 70 Jahre alt ? am Wochenende im Krankenhaus Bevensen nach langer, schwerer Krankheit gestorben ist, seine 50jährige Zugehörigkeit zum Ohnsorg- Theater feiern können. "Er war ein sehr lieber Kollege", sagt Theaterleiter Günther Siegmund, der schon als Kind neben ihjn auf der Bühne gestanden hat ; Siegmund war es auch, der den kranken Kollegen vor 14 Tagen noch besucht hat.

Bullerdiek ist ? wie so mancher niederdeutsche Schauspieler ? Lehrer gewesen und seinem Beruf treu geblieben, obwohl er jahrzehntelang zu den meistbeschäftigten Ensemble- Mitgliedern zählte. Außer Lehrer und Schauspieler war Walther Bullerdiek, dessen längst vor ihm verstorbene Frau Magda Bäumken auch zur Ohnsorg- Bühne gehörte, noch Autor von Anekdoten und Kurzgeschichten; vor allem aber Komponist und Musiker. Er hat oft für die niederdeutschen Stücke die Musik geliefert und nicht selten

auch selbst gespielt: auf der Gitarre oder dem Klavier.

Zu seinem 65. Geburtstag hatte das Ohnsorg-Theater im Januar 1966 eine Matinee veranstaltet, auf der alle Begabungen des beliebten Jubilars zur Geltung kamen. "Insgesamt hat Bullerdiek, der für uns alle nicht nur Kollege, sondern auch wandelndes Lexikon war, wohl an die 400 Rollen auf der niederdeutschen Bühne gespielt; denn unter Dr. Ohnsorg ist ja alle zwei Wochen Premiere gewesen", fügt Günther Siegmund hinzu. "Benefiz bi Mattler" und "Dat Rosenfest" waren zwei der wichtigsten von Bullerdiek musikalisch ausgestatteten Inszenierungen im letzten Jahrzehnt. Es wird schwer sein, den vielseitigen und humorbegabten Mitarbeiter zu ersetzen. b.

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