Science-Fiction-Fernsehspiel: ?Supergirr

Das Mädchen vom anderen Stern

Je nach Geschmack werden die Zuschauer in Iris Berben wirklich ein Supergirl sehen, obgleich nichts an der Dame überdurchschnittliche weibliche Qualitäten hat. Den tieferen Super- Sinn muß man hinter dem mit Kino-Reizen spekulierenden Titel suchen.

Das eher stille Mädchen steht plötzlich im kanariengelben Anzug an der Straße, wird von einem Playboy mit nach München in seine Wohnung, dann zum Starnberger See in die Traumvilla eines Freundes und von diesem später auf die Reis e zu einem dicken Produzenten aus Hollywood mitgenommen, ohne daß jemand von ihr weiß, wer sie ist, woher sie kommt Erst der US-Präsidentschaftskandidat, in dessen Hotelzimmer der Filmboß sie schließlich eingeschleust hat, sagt in zwei Worten, ., was inzwischen wahrscheinlich auch die Zuschauer von dem Supergirl denken: "She's insane ? sie ist wahnsinnig."

Sie erscheint wirklich wahnsinnig, weil sie ihm erzählt hat, sie komme von einem anderen Stern, dem dritten Planeten des Systems Alpha Centauri, um die Erden-Menschen vor einer Invasion aus dem All zu warnen. Ihrem Begleiter durch fast die ganze Filmhandlung, ? dem Starnberger Erfolgsautor (Marquard Böhm), verrät sie noch mehr: "Wir sind euch um fünfzig Jahre voraus, oder um hundert. Unsere Regierung will friedliche Beziehungen zu euch, aber in den letzten Monaten ist eine Partei immer stärker geworden, die Krieg mit der Erde will."

Supergirls ständiger Begleiter, der (auch ständig betrunkene) Romancier, erschießt einen (vermutlich) zweiten Boten von dem dritten Planeten. Andere Späher, heimliche Beschützer oder Feinde des Supergirls, fahren im Cadillac hinter ihr her durch Europa, bis sie in Starnberg auf einer einsamen Straße freiwillig zu ihnen in den Schlitten steigt, aus dem Bild fährt und nie mehr gesehen ward. Der 2 000 OOO-Dollar-Dichter blickt in den blaßblauen oberbayrischen Himmel, die Kamera ihm nach ? Ende.

Das ist eine Mixtur aus Comics und Science Fiction, allerdings ohne geheimnisvolle utopische Funksignale. Autor

21 Uhr, ARD

und Regisseur Rudolf Thome: "Ich lese wahnsinnig gerne Science-Fiction-Romane, die simplen. Ich war lange in dieser Welt drin. Daß Leben auf anderen Planeten existiert, ist für mich ganz klar . . . Und alle Leute im Film sind ausgesuchte Klischeetypen wie in Comics, in Illustriertenromanen." Doch "Supergirl" soll nicht nur ein glossierender Film für Cineasten sein, sondern auch ein "schöner" Film. Für die Optik wurde der einzige Weltstar des Teams engagiert, Kameramann Affonso Beato, berühmt seit "Antonio das Mortes."

W. F. MUTHMANN

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