Das Hamburger Abendblatt gratuliertVor 100 Jahren gründete Bd. Blumenfeld sein Unternehmen

Auch die "Hohenzollern" dampfte mit seiner Kohle

Morgen gibt Erik Blumenfeld von 11 bis 13 Uhr einen Empfang im Hotel "Vier Jahreszeiten". Das Familienunternehmen Blumenfeld & Co., das Bernhard Blumenfeld als "Commissionsgeschäft in Bergwerks-Produkten" vor 100 Jahren gründete, feiert sein Jubiläum.

Hamburgs Kohle-Importeure lächelten, als Bernhard Biumenfeld 1872 die ersten 333 Doppelzentner westfälischer Steinkohle auf dem teuren Landweg nach Hamburg brachte. Sie importierten im selben Jahr auf dem billigeren Seeweg 6,2 Millionen Doppelzentner aus England.

Die britische Kohle sei der westfälischen an Heizkraft überlegen, so lasen die Hamburger in der Presse. Bd. Blumenfeld konterte: "Die Versuche auf der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven haben ergeben, daß der Heizeffekt der westfälischen Kohle dem der englischen annähernd gleichkommt und ihn sogar in vielen Fällen bei weitem übertrifft." ? Drei Tage später ließen die Kohle- Importeure "Herrn B. B." wissen, seine Argumente schienen "mehr von einem zu weit gehenden Patriotismus diktiert . . ." Doch es erwies sich, daß der "Herr B. B." die energiepolitische Situation des jungen Kaiserreichs realistischer eingeschätzt hatte. Hamburgs Industrie, seine Dampferflotte, selbst die "Hohenzollern", das Begleitschiff der Kaiserjacht "Meteor", verfeuerten Blumenfelds westfälische Kohle. Eine unbezahlbare Reklame!

1892 war die Zufuhr aus dem Ruhrgebiet bereits auf 1,2 Millionen Tonnen gestiegen. Bd. Blumenfeld, jetzt wohnhaft in Pöseldorf, residierte im Dovenhof, Hamburgs modernstem Kontorhaus mit dem ersten Paternoster. Von hier aus dirigierte er die Kohlen und den Koks mit eigenen Dampfern auf dem Weltmarkt. |Als 1904 die russische Flotte aus der Ostsee um die halbe Welt ihrer unerwarteten Vernichtung bei Tsushima entgegendampfte, erhielt "B. B." von Albert Ballin den Auftrag, diese Armada auf den ersten drei Stationen zu bebunkern.

Koks nahmen auch die Kap-Hoorn- Fahrer mit, wenn sie Salpeter aus Chile holten, ein Geschäft, dem sich nun auch Blumenfelds Sohn Otto (geb. 1883) zuwandte, während Ernst (geb. 1880) dem Geschäft mit den "schwarzen Diamanten" treu blieb. Drei Jahre später zog sich der Gründer ins Privatleben zurück. Am India-Hafen qualmten die Riesenschlote der von ihm errichteten Norddeutschen Kohle & Cokes-Werke. kurz NKCW genannt, die allein jährlich 300 000 Tonnen Kohle zu Koks und Briketts verarbeiteten. Doch als Bd. Blumenfeld 1919 in seiner Elbchaussee-Villa starb, waren seine Dampfer enteignet,

sein Unternehmen zusammengebrochen. Auch auf Salpeter konnte die Industrie verzichten: Fritz Haber hatte die synthetische Stickstoffgewinnung erfunden.

Bd. Blumenfelds Söhnen, die seit 1925 im Chile-Haus ihre Kontore hatten, gelang es, das vielverzweigte Unternehmen wieder aufzubauen. Ernst, der Vater Eriks, starb 1927. |An seine Stelle trat, wie nach dem Tode des Gründers, die Witwe. Von jüdischen Geschäftsinhabern verlangte die NS-Regierung bald die Änderung des Firmennamens und das Ausscheiden derjenigen, die unter die berüchtigten Nürnberger Rassegesetze fielen. Otto Blumenfeld emigrierte nach England. Die Hauptversammlung wandelte die Blumenfeld KG 1938 zur "Krupp Reederei und Kohlenhandels GmbH, Sitz Hamburg" um.

Es gelang, die große Kokerei im Hafen der Familie zu erhalten, denn Ebba Blumenfeld, aus dänischem Landadel gebürtig, hatte als Arierin den Aktienbesitz in den Händen. Im Herbst 1945 kehrte ihr Sohn Erik aus Krieg. Gestapohaft und Konzentrationslagern in das zerstörte Hamburg zurück. Seine Mutter starb im März 1946. Im selben Jahr wirkte ihr Sohn als CDU-Abgeordneter in der Politik seiner Heimatstadt, ab 1961 auch im Bundestag und in europäisch-atlantischen Gremien. Er zählt zu den Wiederbegründern des Ubersee- Clubs, rief die "Gesellschaft für Politik und Wirtschaft" sowie ihr Institut "Haus Rissen" ins Leben. Bürgermeister Rudolf Petersen war damals der politische Mentor des jungen Firmenchefs.

Die neue Bd. Blumenfeld GmbH entwickelte sich während der ersten Hälfte der 50er Jahre zu einem der größten Kohleimport-Unternehmen Westdeutschlands. Die Dampfer, die wieder die Namen des Gründers, seiner Kinder und Ebba Blumenfelds trugen, reichten nicht aus, um den Bedarf zu decken, so daß für die Amerikafahrt noch Frachtraum gechartert werden mußte. Ende 1957 kam es zu einem für Blumenfeld folgenschweren Marktumschwung in der Energiewirtschaft: Die in der Montanunion zusammengeschlossenen Staaten beschränkten die Kohleeinfuhr. Krupp und Blumenfeld lösten gütlich ihre jahrzehntealte Firmenverbindung. Die Kommanditgesellschaft "Blumenfeld & Co." blieb davon unberührt, da sie sich schon frühzeitig neben dem Brennstoffgeschäft u.a. auch der ölbebunkerung und Schiffsmaklerei zugewandt hatte. Sie übernahm 1970 als Finanzholding beim Verkauf der NKCW an die Geitling GmbH die Beteiligungen der Familie Blumenfeld an dritten Firmen.

Erik Blumenfeld hatte während der letzten 25 Jahre zwei völlig neue Geschäftszweige aufgebaut. Er gründete die "Hamburger Hafennachrichten" und andere maritime Publikationen, die in seinem Seehafen-Verlag in Altona verlegt und gedruckt werden. Bestseller seines Buchverlages wurde der Stadtführer "Hamburg ? von 7 bis 7". 1959 kam eine Gesellschaft für elektronische Geräte hinzu, die heute als Softal Elektronik GmbH ein lukratives Verfahrenspatent zur elektronischen Vorbehandlung von Druckfolien besitzt.

Diw Unternehmensgruppe Blumenfeld feiert ihr Jubiläum mit einem Umsatzvolumen von ca. 38 Millionen DM, erwirtschaftet von nur rund 170 Mitarbeitern. Eine junge Generation bereitet sich darauf vor, Ende der 70er Jahre die Firmentradition fortzuführen, die seit 100 Jahren in Hamburg einen geachteten Namen hat. GÜNTER NIEMEYER

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