Eigener Bericht - dpa - an Abidjan/Bonn, 30. Januar Die Regierung des westafrikanischen Staates Guinea hat den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik beschlossen. Dies gab Radio Conakry bekannt.

Guinea bricht Beziehungen zu Bonn ab

Politische Beobachter sind der Ansicht, daß Guinea seit Monaten auf den Bruch mit Bonn hingearbeitet hat. Hinter den Machenschaften der letzten Wochen, so heißt es In anderen

westafrikanischen

Hauptstädten, stehe in erster Linie Ost-Berlin. Mit allen Mitteln hätten die deutschen Kommunisten versucht, die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik aus Guinea hinauszudrängen.

Für eine langfristige Planung des Bruchs spricht auch, daß der Bonner Botschafter Guineas, Keita, die Bundesrepublik bereits am 25. November verlassen hat. Das Gebäude der Botschaft von Guinea in Bonn ist bereits geschlossen. Das Personal hat vor fünf Tagen fluchtartig Bonn verlassen, ohne sich beim Auswärtigen Amt abzumelden.

Wenige Stunden vor dem Abbruch der Beziehungen hatte Guineas Präsident Sekou Toure der Bundesrepublik vorgeworfen, sie unterstütze eine neue Invasion gegen Guinea. Offenbar sollte mit dieser Anschuldigung ein letzter Vorwand konstruiert werden, um mit Bonn zu brechen.

Bundesaußenminister Scheel war bis zuletzt bemüht, einen endgültigen Bruch zwischen Bonn und Conakry zu vermeiden. Während Toure offensichtlich schon Beine Entscheidung gefällt hatte, sprach Scheel noch vor dem Bundestag nur von einer "Belastungprobe".

Das Schicksal der beiden deutschen Entwicklungshelfer Seibold und Marx in Guinea hat Bundesentwicklungsminister Eppler dazu veranlaßt, am kommenden Montag mit UNO- Generalsekretär UThant über Möglichkeiten eines besseren Schutzes für Entwicklungshelfer zu sprechen.

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