Das Lösegeld kam auf über 6 Millionen Mark

Im Fall Pleuger: Alle Dokumente auf den Tisch Die siebenstellige Summe, die der Staatspräsident von Äquatorial-Guinea, Macias Mguema, für die Freilassung der Hamburgerin Irmgard Pleuger verlangte und die, wie berichtet, Unternehmer-Ehemann Friedrich-Wilhelm Pleuger als Bankgarantie sicherstellen mußte, beträgt genau 5 424 318,45 DM. Zusammen mit dem Verlust aus einem 2000-t-Kakaogeschäft zwischen Pleuger und Mguema, dessen Einkaufspreis der afrikanische Präsident nach Lieferung willkürlich erhöhte, vergrößert sich das "Lösegeld" für Frau Pleuger auf rund 6,1 Million DM.

Das wies gestern Dr. Christian L. Jark, Generalbeauftragter der Fa. Pleuger KG ? Trittau, vor Journalisten anhand der Original-Aufträge und Abrechnungen nach. Einwandfrei ergibt sich auch aus diesen Unterlagen, daß die Behauptung der äquatorial-guineischen Regierung, Frau Pleuger habe sich seit Anfang Dezember freiwillig in Santa Isabel auf der Insel Fernando Poo aufgehalten, falsch ist. Tatsächlich nahm man ihr sofort nach der Ankunft nicht nur ihren Paß, sondern auch das "Sauf-Conduit" ab, die Zusicherung der

freien Ausreise, mit der Irmgard Pleuger nach Santa Isabel gelockt worden war. Unter Drohungen mußte sie eine Schuldanerkenntnis unterschreiben und auch versichern, daß sie sich freiwillig im Lande aufhalte.

Energisch und unter Vorlage aller Geschäftspapiere verwahrte sich Dr. Jark gegen die Unterstellung, daß es sich zwischen Pleuger und Mguema um "dunkle Geschäfte" gehandelt habe. Es war ein Kompensationsgeschäft: Kakao aus Äquatorial-Guinea gegen ? so geht es aus der Korrespondenz hervor ? Ärzteinstrumentarien, Medikamente, 6 Mercedesbusse, 2 Mercedes-Pullmann 600, 1 Mercedes 300 SEL, 1 Mercedes 280 SEL, 18 BMW-Motorräder für die Leibwache, 2 Linotype-Setzmaschinen und einen Staubsauger.

Die Komplikationen ergaben sich, als nach dem Warenaustausch plötzlich die Landwirtschaftskammer von Äquatorial-Guinea als Verkäufer auftrat u"id mit dem Hinweis darauf, daß die deutsche Lieferung an ihre Regierung mit diesem Geschäft nichts zu tun habe, sofortige Bezahlung des Kakaos verlangte.

Irmgard Pleuger: "Ich wohnte in Santa Isabel zwar in einem Hotel, aber seit meiner Ankunft wurde ich von Leuten mit Maschinenpistolen beschattet, ständig verhöhnt und verspottet." Dr. Jark: "Zunächst war es eine rein privatwirtschaftliche Angelegenheit. Zuletzt war es Erpressung." W.R.

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