In einem Jahr wurden in Hamburg 14 Radfahrer getötet

Auf die Straße verbannt

Radfahrer leben gefährlich. 1969 wurden im Hamburger Stadtgebiet lg Radfahrer bei Verkehrsunfällen getötet, 1970 waren es 14. Radwege bieten nachweislich nicht immer einen vollkommenen Schutz, weil Autofahrer beim Abbiegen den Blick nach hinten vergessen.

In der Grindelallee wurden die Mofa- und Radfahrer nicht vergessen. Für sie wird eine neue Spur gebaut Foto": brumshagen

Noch gefährlicher aber wird es, wenn ein Radweg en einer Hauptverkehrsstraße verschwinden muß, weil die Straßenbauer mehr Platz für Autos schaffen wollen. So geschehen an der Kollaustraße in Hamburg-Lokstedt.

Radfahrer, die, aus Richtung Niendorf kommend, den Siemersplatz überqueren wollen, finden vor dieser belebten Kreuzung keinen Radweg mehr. Er fiel einer Straßenerweiterung zum Opfer.

Das Ortsamt erklärte dazu: "Wir mußten dringend eine zusätzliche Fahrspur schaffen. Ein neuer Radweg hätte neue Bebauungspläne und Grunderwerb notwendig gemacht. Dies aber ist mit sehr viel Zeit und Geld verbunden."

Jetzt müssen sich Radfahrer und Fußgänger vor dem Siemersplatz einen schmalen Gehsteig teilen. Dies allein wäre noch kein großes Problem. Nach der neuen Straßenverkehrsordnung jedoch sind jetzt auch Mofa-Fahrer gehalten, die Radwege zu benutzen. Und die Zulassungsstatistiken der Industrie beweisen, daß diese motorisierten Klein-Mopeds immer beliebter werden.

An der Grindelällee in Hoheluft sah es zunächst so aus, als ob die Behörden hier vergessen hätten, Mofa- und Radfahrer gebührend zu berücksichtigen. Doch mittlerweile ist zu erkennen, daß auch die gesamte Grindelällee auf beiden Seiten wieder mit Radwegen versehen wird.

Die dichte Bebauung dieser Straße kann allerdings zu Schwierigkeiten führen, denn an einigen Stellen ist der Fußweg nur noch vier Meter breit. Den Parkuhren wurde dort fast soviel Platz eingeräumt wie den Verkehrsteilnehmern auf zwei Rädern, gw

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