Bildungspolitik hat den Vorrang

Wenig Geld für Straßenbau in den Vierlanden

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"Wir können nicht damit rechnen, in den nächsten vier Jahren große Pläne für den Ausbau des Straßenund Wegenetzes in den Vier- und Marschlanden zu verwirklichen. Die Schul- und Bildungspolitik hat den Vorrang. Wir werden bestenfalls mit ebensoviel Geld wie bisher rechnen und damit wegen der steigenden Kosten eher weniger als bisher machen können." Mit diesen deutlichen Worten kommentierte Baudirektor Gero Scheffel, Leiter der Tiefbauabteilung im Bergedorfer Bezirksamt, gestern abend die Wünsche, die Mitglieder des Ortsausschusses der Vier- und Marschlande zum Straßenbau angemeldet hatten.

Baudirektor Scheffel hatte bei der Sitzung des Ortsausschusses erläutert, welche Straßen und Wege in den Vier- und Marschlanden im Laufe dieses Sommers mit dem vorhandenen Geld ? 805 000 DM plus 105 000 DM, die nachträglich von der Baubehörde bewilligt worden waren ? hatten repariert oder verbessert werden können.

Bei einem Teil der Nebenstrecken gibt es seit Ende dieser Bauarbeiten keine Fuß- oder Radwege mehr. Sie mußten eingeebnet und asphaltiert werden, weil die bisherigen Fahrbahnen zu eng waren. Wenn sich zwei Autos begegneten, mußte eines auf Gehwege ausweichen, die dadurch immer wieder beschädigt wurden und unnötig viel Geld kosteten. Gero Scheffel: "Auf diesen Nebenstraßen war ohnehin kaum Rad- oder Fußgängerverkehr."

Als der Baudirektor

schließlich erläuterte, in den Vier- und Marschlanden seien in den letzten Jahren trotz knapper Mittel viele wichtige Straßen ausgebaut oder verbessert worden, hielten ihm Ausschußmitglieder entgegen: "Aber nur in Nordsüdrichtung, die Straßen in Ostwestrichtung sind vernachlässigt worden. Das muß in den nächsten Jahren nachgeholt werden."

Zunächst soll von den Ausschußmitgliedern ein Straßenbauprogramm für die Vier- und Marschlande erarbeitet werden. Wegen des Geldmangels wird die Verwirklichung eines solchen Programms aber noch Jahre auf sich warten lassen.

Schon 1971 werden dagegen die Arbeiten zur Begradigung des Flußlaufes der Dove-Elbe beginnen, die ? wie berichtet ? in ihrem unteren Teil nahe bei Reitbrook zu einem stadtnahen Sportund Erholungszentrum ausgebaut werden soll. Mit ihrem einstimmigen "Ja" schufen die Ausschußmitglieder gestern abend die rechtlichen Voraussetzungen für die neue "Festlegung der Gewässerlinie". Dadurch können die 2000 Meter lange Regattastrecke für Ruderer, eine gleichfalls fast gradlinige Schiffahrtsstrecke und ein Baggersee geschaffen werden, der so groß ist, daß er die biologische Kraft zur Selbstreinigung besitzt und deshalb zum Baden benutzt werden kann.

Kurz vor ihrer Einmündung in die Dove- Elbe soll die Gose-Elbe auf 25 Meter verengt werden. Dadurch wird der Bau einer Brücke möglich, über die man einen asphaltierten Wanderweg erreichen kann, der eine "sportliche Geheimwaffe" werden solle: Auf ihm können Rudertrainer nach Karl Adams Vorbild per Rad neben ihren Schützlingen im Boot herfahren und sie dirigieren.

Oberbaurat Ibo-Dieter Härder, Chef der Bergedorfer Stadtplaner, hob, als er diese Erklärungen gab, hervor: Es handelt sich bisher nur um Pläne. Endgültig ist über die Form des Sport- und Freizeitzentrums noch nicht entschieden worden, pa.

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