Rainer Erler zu seinem Film ?Die Delegation 1

Auf der Suche nach den "Grünen Männchen"

Fliegende Untertassen liegen buchstäblich in der Luft: in unserem Milchstraßen-System, soll es 18 ? 180 Millionen Planeten geben, die von intelligenten Lebewesen bewohnt sein können, und Tausende von Fotos künden von jenen unidentifizierten Objekten (Ufos), die der Volksmund "grüne Männchen" nennt und keines Volkes Auge bisher je gesehen hat. "Im technischen Zeitalter", so C. F. Jung, "vollziehen sich Massen-Visionen nicht mehr unter dem Bild einer Heiligen, sondern unter technischen Abbildern."

Das Thema vielschichtig und verpönt, reizte den Fernsehregisseur und Autor Rainer Erler zu einem Unternehmen

21.00 Uhr, 2. Progr.

eigener Art: Er schrieb die Geschichte eines Fernsehreporters, der zunächst kritisch und satirisch einen internationalen Kongreß der Ufo-Forscher kommentiert, dann aber in Kanada und USA Beweise, Spuren-Fotografien von einer "Delegation aus einer anderen Welt" findet. Augenzeugen, die ihm nur unter Hypnose ihre Erlebnisse schildern, bringt dieser Reporter vor die Kamera. Er glaubt, einer außerirdischen Zivilisation auf der Spur zu sein.

Seine Redaktion hingegen glaubt, ihr Reporter sei selbst ein rettungsloses Opfer der Mystifikation geworden, und ruft ihn zurück. Der journalistische Weltraumforscher treibt jedoch seine Unternehmungen auf eigene Faust weiter, was er nicht hätte tun sollen; denn er verunglückt bei Los Angeles: Seine Hinterlassenschaft von Tonbändern und Filmen bleibt rätselhaft.

Das Drehbuch zur "Delegation" stieß bei der Bavaria- Produktionsgesellschaft in München auf hellstes Entzücken. Rainer Erler flog mit einem siebenköpfigen Team über den Atlantik und vollendete später den Ufo-Spuk im Münchner Atelier. Walter Kohut, der erst in der vorigen Woche so überaus eindrucksvoll in der Fernsehsendung "Blaues Wild" brillierte, übernahm die Rolle des Reporters Roczinsky.

Erler filmte bei Toronto die Farm, die bisher die meisten Ufos gemeldet hat. Er interviewte die aus vielen Nationen und Kontinenten stammenden Wissenschaftler in den jonosphärischen Observatorien zwischen West-Virginia und Puerto Rico. Bei Washington traf er den über siebzigjährigen Major Keyhoe, der seine Erfahrungen und Beobachtungen jetzt zu einem Buch verarbeitet.

Das Pentagon gab keine Dreherlaubnis für die NASA. Aber auf Kap Kennedy, der Startrampe zum Mond, entwickelte sich aus der Improvisation heraus die Verhandlung genauso, wie Erler sie bereits im Drehbuch skizziert hatte.

Aus dieser hochtechnisierten und straff durchorganisierten Welt flog das Team zur Hochebene von Nasca über Peru zu den rätselhaften Strahlen- Straßen aus der Vor-Inka- Zeit. Indios, von Armut und Kokain stumpf und passiv geworden, bekamen die Regie- Anweisungen vom Taxifahrer in ihre Ketchuan-Sprache übersetzt.

Zum Abschluß interviewte Erler Passanten in New Yorker Straßen: Ob sie an Lebewesen auf anderen Sternen glaubten und daran, daß es eine Zivilisation dort geben könnte, die der unseren überlegen sei. Die meisten äußerten sich positiv ? und kaum einer fand die Frage überraschend.

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