Zum Tode von Hans Gertberg

Sein einziger Maßstab war die Qualität

Hans Gertberg ist tot. Am Sonntag starb der Chef _ des NDR- Jazz Workshop unerwartet im 61. Lebensjahr. Damit verliert die europäische Jazz-Szene einen ihrer besten Kenner und unermüdlichen Förderer.

Der elegante, weißmähnige Mann, der auch in der nervenstrapazierenden Atmosphäre der Funk- und Fernseh-Studios nie die Contenance verlor, war bei den Jazzmusikern in aller Welt hoch geschätzt. Er bot ihnen im Funkhaus an" Rothenbaum die Chance, ihre Ideen zu verwirklichen, ohne dabei irgendwelche Rücksichten nehmen oder Kam- >, promisse schließen zu müssen. Einziger, aber strenger Maßstab war die Qualität. Mit diesem Prinzip machte Gertberg aus der vom damaligen

NDR-Musikchef Rolf Liebermann initiierten Jan- Werkstatt eine Institution von einmaligem Rang. Seine besondere Aufmerksamkeit galt den Musikern des Ostblocks, die er immer wieder zu Begegnungen mit ihren westlichen Kollegen nach Hamburg einlud.

Hans Gertberg wurde 1909 in Rostock geboren, studierte In Berlin Zeitungsund Theaterwissengehaft, arbeitete als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg und später als Journalist. Nach dem zweiten Weltkrieg holte Peter von Zahn den AJtround-Mann ins Hamburger Funkhaus; Hier wirkte er als Autor, Regisseur und Sprecher an vielen Sendungen mit; bekannt wurde er vor allem mit dem "Schnelldenker-Turnier", mit dem er das erste deutsche Funkquiz aus der Taufe hob.

Im Jahre 1958 übernahm er dann die Jazzredaktion, sich etwas zähneknirschend in die damit verbundene Spezialisierung fügend. Immerhin hatte dem Jazz von Jugend an seine Liebe gegolten, unter anderem blies er in seiner Studienzeit als engagierter Amateur das Altsaxophon. Sein überraschender Tod hinterläßt nicht nur im NDR eine schmerzliche Lücke. slc-

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