Das Hindernis Bodenordnung

Pläne zunächst nicht großzügig genug

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22 Jahre nach dem Krieg. nach 15jähriger Zeit des Planens und des Verwerfens, wurde endlich mit dem Wiederaufbau der Hamburger Straße begonnen. Zwei Gründe gab es für die ständige Verzögerung: Die ersten Pläne waren nicht großzügig genug; sie boten für die möglichen Bauherren nicht genügend Anreiz. Zum zweiten war das Trümmergebiet an dieser ehemaligen Hauptgeschäftsstraße in unzählige kleine Parzellen, aufgesplittert. Die Bodenordnung, die einer großzügigen Neubautätigkeit vorangehen mußte, war das schwierigste Hindernis.

Bis zur Zerstörung durch Bomben war die Hamburger Straße mit ihrem dichtbesiedelten Umland voll pulsierenden Lebens. Kaufhäuser und

Einzelhandelsgeschäfte ? aller Art reihten sich aneinander. In den oberen Geschossen der Häuser waren Wohnungen.

Einige Jahre nach dem Krieg wollten etliche Unternehmer ihre Häuser wiederaufbauen. Die Stadtplaner mußten jedoch verhindern, daß wieder eine Straße nach dem Muster aus dem vorigen Jahrhundert entstand. Der Straßenverkehr hatte sich,vervielfacht. Häuser, parallel zur Fahrbahn mit Läden und Wohnungen, wären städtebaulich nicht zu vertreten gewesen.

Unter der Leitung des inzwischen verstorbenen Baudirektors Prof. Dr. Werner Hebebrand wurde schließlich von der Baubehörde ein Projekt entwickelt, das Büro- und Wohnhäuser auf beiden Seiten der Hamburger Straße vorsah und zahlreiche Läden in der Höhe des ersten Geschosses anordnete. Damit die Kunden nicht die Straße überqueren mußten, wurden drei breite Brücken mit . Ladengeschäften über der Straße vorgesehen.

Schon bei. den Beratungen im Ortsausschuß Barmbek- Uhlenhorst und im Bezirksparlament Hamburg Nord wurden die Pläne verworfen. Die Kommunalpolitiker wollten damals mehr Freiflächen an der Hamburger Straße. Ein Wunsch, der heute illusorisch klingt. Tatsächlich ist die Ablehnung zu einem Glück für die Weiterentwicklung dieser . Verkehrs&traße geworden.. Der Streifen zwischen der Oberaltenallee und der Hamburger Straße kann jetzt mit in den Ausbau der Fahrbahnen einbezogen werden.

Als alles Planen ; und alle Versuche zur Bodenordnung an der Hamburger Straße fehlgeschlagen waren, ? wurde eine Arbeitsgemeinschaft aus den ' verschiedenen Wirtschaftskreisen gegründet. Die Handelskammer, ein großes Maklerunternehmen, Grundeigentümer und Architekten arbeiteten zusammen. Da die Stadt bereits zahlreiche Grundstücke aufgekauft hatte, war die Möglichkeit zum Austausch und zur Schaffung grö- ßerer Grundstücke gegeben. Bedeutende Unternehmen interessierten sich schließlich für Geschäftsflächen an der Hamburger Straße. So summierte sich eine Finanzkraft, die das unmöglich Erscheinende möglich machte.

Als die Bodenordnung abgeschlossen war, wurde die einheitliche Planung vorgenommen. Jetzt galt es nur noch, a^le Bauwilligen au verpflichten, das gesamte Objekt geschlossen und gleichzeitig durchzuführen.

Wenn man all diese Schwierigkeiten berücksichtigt, so kann man feststellen: Das Zentrum Hamburger Straße ist ein gutes Beispiel freiwilliger Stadterneuerung. Nur, der Weg dahin war. reichlich lang.

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