Präsidentenwahl voll Spannung

Happening im Audimax

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Hamburg, 13. Dezember Der Schlußakt der Präsidenten- Wahl im Auditorium maximum geriet zum Happening. Bei der Auszählung der Stimmen der Konzilsmitglieder zählten die im Saal versammelten Studenten begeistert mit: ". . . vierzig, einundvierzig . . .". Bei "sechsundvierzig" schlug die Zählerei um in einen Countdown: "Zehn ? neun ? acht ? . . ." Ziel: Die Zahl 66, die für den Favoriten der Studenten die notwendige absolute Mehrheit der Stimmen bedeutete. Dieser Favorit hieß Dr. Peter Fischer-Appelt.

Voraufgegangen war ein Marsch durch vier Wahlgänge, die an Spannung nichts zu wünschen übrig ließen. Fünf Kandidaten hatten sich dem Konzil vorgestellt, das mit absoluter Mehrheit einen von ihnen zum Präsidenten der Universität zu wählen hatte. Bereits im ersten Wählgang versammelte Fischer- Appelt die Mehrzahl der Stimmen auf sich, aber 50 reichten nicht zu seiner Wahl aus.

Als sein härtester Konkurrent en.tr puppte sich der 48jährige Direktor des Institutes für Weltforstwirtschaft, Prof. Dr. Claus Wiebecke. Er kam im ersten Wahlgang auf 38 Stimmen, die er auf 40, 51 und schließlich 53 steigern konnte.

Professor Wiebecke hatte sich am Vormittag in einem neuerlichen "Hearing" dem Konzil vorgestellt und war zusammen mit den anderen Kandidaten noch hart befragt worden nach seinen Ansichten zum Numerus clausus, zum Ordnungsrecht, zum Prüfungsverfahren, zur Universitäts-Reform und zur Funktion des Präsidenten zwischen Staat und Universität. Es stellte sich bald heraus, daß zwischen ihm und vor allem Dr. Fischer-Appelt in wesentlichen Punkten Unterschiede in der Haltung bestanden, die vor allem von den Studenten und Assistenten nicht akzeptiert wurden. Fischer-Appelt erschien ihnen, wie der RCDS z. B. äußerte, als

Von unserem Redaktionsmitghed Werner Sillescu

derjenige Kandidat, dessen Konzeption zur Zeit am geeignetsten erscheint, die divergierenden Gruppeninteressen der Universität auf einen Nenner zu bringen.

Während der Wahlgänge äußerten die im Auditorium maximum zahlreich versammelten Studenten auch unverblümt ihre Sympathie für Fischer-Appelt. Überhaupt keine Chancen hatte erwartungsgemäß der Leiter der Hamburger Hochschulabteilung, Dr. Meins, der bereits in der ersten Stichwahl ausschied. Der Vizepräsident des Hamburger Landgerichtes, Dr. Röhl, konnte bis zum dritten Wahlgang einen konstanten Teil der Stimmen auf sich vereinen. Auch der wissenschaftliche Oberrat, Dr. Bachofer, hatte bis zu seinem Ausscheiden im vierten Wahlgang einen konstanten Stimmenanteil von mehr als 20.

Nach der Wahl gratulierte Pro-Rektor Prof. Schäfer dem neuen Präsidenten, den rhythmischen Klatschen auf seinem Weg zum Podium begleitet hatte. Auf die entsprechehde protokollarische Frage Schäfers antwortete Fischer-Appelt fest: "Ja, ich nehme die Wahl an." Schäfer sprach die Hoffung aus. daß die Universität dem neuen Präsidenten bei seiner großen und schweren Aufgabe Vertrauen entgegenbringe. Er dankte den anderen Kandidaten, die "tapfer diese Wahl durchgestanden haben".

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