Premiere im Altonaer Theater

Göttin Gerechtigkeit ,unbekannt verzogen'

Obwohl das Stück mit dem Schlußeffekt beginnt um danach das Geschehen in Rückblende aufzurollen, hielt des Italieners Paolo Levi "Empfänger unbekannt verzogen" die Zuschauer bis zum Ende in Bann. Immer wieder mußten sich die Darsteller bei der Erstaufführung im Altonaer Theater verneigen.

Der international bekannte Autor (Jahrgang 1919) greift in seinen realistisch geschriebenen Dramen Probleme auf, die sich jeden Tag und in jedem Land ereignen können. Hier handelt es sich um die "Gerechtigkeit".

"Von allen Tugenden die schwerste und seltenste ist die Gerechtigkeit." Sie auszuüben, hat sich der junge Polizeiwachtmeister Bergami als Lebensaufgabe gesetzt. Eines Abends ertappt er einen verheirateten Mann aus den "höchsten Kreisen", der in seinem Auto ein verbotenes Liebesstündchen genießt. Bergami will den Sünder vor den Richter schleppen. Seine Vorgesetzten jedoch, die sich aus vielerlei Gründen "angewöhnt haben, ohne Gewissen auszukommen", wollen die Sache niederschlagen, um einen bösartigen Skandal zu verhindern. Die Göttin Gerechtigkeit, die Bergami sucht und nicht findet, weil sie "unbekannt verzogen ist", vernichtet ihn.

Es war eine ohne Einschränkung lobenswerte Aufführung. Der Regisseur Hans Fitze hatte ein schnelles Zeitmaß angekurbelt und auch den kleinsten Rollen Profil gegeben. Das spürte man bei Kai Bronsema (Polizist), Maria Kühnen (Reinmachefrau) und Ingeborg Kallweit (Bergamis Frau), die auffallend gut waren.

Den Idealisten Bergami, der mit dem "Kopf durch die Wand" will, gestaltete Lothar Zibell eindringlich und glaubhaft. Ebenbürtig sein an Erfahrung gewitzter Gegenspieler Kurt Schmitt- Mainz als Polizeileutnant. Karl Schill war ein würdevoller Polizeigeneral. Hanni Hagel spielte die an Gehirnsubstanz arme, dafür an Schönheit reiche Frau des Polizeileutnants, Peter von Schultz mit weltmännischem Anstand den auf Seitenpfaden wandelnden Kavalier, Marianne Bernhardt, die "Tochter aus gutem Hause", ein verführerisches "Autoliebchen". Michael Weckler, ein Reporter, der vom Dichter zugleich als Ansager und Erklärer eingesetzt-ist. fand ebenfalls den richtigen Ton. Den bestechenden Bühnenaufbau, durch den sich Szene an Szene fugenlos aneinanderreiht, schuf Günter Ulikowski.

Ein verdienter Erfolg! anni harbeck

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