,Floh im Ohr' im Jungen Theater

Liebe und Insektenstiche

Nur der "Floh im Ohr" des Herrn Chandebise ist schuld daran, daß Monsieur plötzlich bei der Ausübung seiner ehelichen Pflichten versagt. Seine junge Frau glaubt, er habe eina Geliebte, und sie zettelt mit ihrer Freundin Lucienne eine Verschwörung an, um ihren Mann im charmant-anrüchigen Hotel "Zum galanten Kätzchen" der Untreue zu überführen. Was sich aus diesem Komplott an Verwechslungen und Verwirrungen entwickelt, spult sich in Georges Feydeaus Schwank mit mathematisch auskalkulierter Präzision, ohne eine einzige leere Bühnenminute, ab.

Der Franzose Feydeau, 1921 gestorben, wurde, was Logik, Witz und Pfiff seiner Stücke anlangte, von Epigonen oft kopiert, doch nie erreicht. Der "Floh im Ohr" gehört zu seinen frühen Stücken, in dem Männer und Frauen zwar von der Sünde träumen, ihr jedoch noch wohlweislich aus dem Wege gehen. Sein Schwank ist handfestes Theater und muß auch so gespielt werden. Eberhard Möbius, Regisseur des Abends, hatte seine Akteure fest in der Hand, sorgte für Tempo und ließ die zahllosen Pointen des Stückes bühnenwirksam ausspielen.

Das Ensemble war komödiantisch bestens aufgelegt und führte das Stück zu vollem Theatererfolg. Friedrich Schütter in der Doppelrolle des Chandebise und des ewig betrunkenen Hoteldieners Poche nuancierte seine Partien überaus differenziert. Friedrich-Wilhelm Timpe gab seinem mit einem Sprachfehler behafteten Neffen witzig-komische Züge. Sehr attraktiv und temperamentvoll verkörperte Birke Brück die Lucienne. Als Raymonde Chandebise wirkte Edith Gerth sympathisch, wenn auch reichlich unfranzösisch. Siegrid Hackenberg gab der Hotelwirtin sinnlich-dümmliche Züge, kokett spielten Karin Glier und Astrid Koller das "weibliche Hotelpersonal". Auch die Herren Joachim Rake, Hans Timmermann, Peter Heusch, Karl-Heinz Gerdesmann, Franz-Josef Steffens, Bruno Vahl-Berg und Karl-Heinz König rundeten das männliche Ensemble erfreulich lebendig an.

Die geschmackvollen und witzigen Dekorationen stammten von Günter Ulikowski, für die reizvollen Kostüme zeichneten Monika Kratz und Horst-Günther Floegel verantwortlich. Es gab nach ständigem Szenenapplaus überschäumenden Schlußbeifall.

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