Notvorstand sucht nach neuen Formen

VDS ist "nicht zu gebrauchen'

Eigener Bericht

Sic. Hamburg, 17. November Der SDS hat den Verband Deutscher Studentenschaften (VDS) am Wochenende in Hamburg als "nicht zu gebrauchen" fallengelassen. Er hinterließ nach halbjähriger Regierungszeit ein sechsstelliges Defizit und ein organisatorisches Chaos. Ein Notvorstand, der von einem Kontrollrat überwacht wird, soll nun versuchen, wieder Ordnung in den desolaten Verband zu bringen.

Der VDS war in der liebevoll zu einem Parlamentsgebäude umfunktionierten Hochschule für Bildende Künste zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammengetreten. Die Bombe platzte gleich zu Beginn, als der seit Juni vom SDS gebildete vierköpfige Vorstand erklärte, der Verband sei ..für den gegenwärtig notwendigen Prozeß der sozialistischen Studenten in bezug auf die sich entwickelnden Klassenkämpfe nicht zu gebrauchen", und sein Amt niederlegte. Gleichzeitig zogen der größte Teil der SDS-Vertretungen aus dem Plenum aus. Damit war die Versammlung beschlußunfähig.

Erst spät am Abend gelang es Mitgliedern des Sozialdemokratischen Hochschulbundes und der kommunistischen "Spartakisten", einen Notvorstand zu bilden. Ihm gehören das SHB-Mitglied Wolfgang Lieb (Köln), Eckart Muschol (Aachen), Manfred

Protze (Göttingen) und Jürgen Kegler (Bonn) an, Der neue Vorstand erklärte, er wolle versuchen, die aus Protest gegen die bisherige Politik ausgetretenen AStAs zurückzugewinnen, die finanziellen Verhältnisse zu überprüfen und die vom zurückgetretenen SDS-Vorstand angestrengten Prozesse eventuell zu vergleichen.

Außerdem müßten neue organisatorische Formen gefunden werden. Die Studentenschaften an den deutschen Hochschulen müßten sich darüber einig werden, ob der VDS als ihr Dachverband weiterbestehen wolle.

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