Schiniedel auf freiem Fuß / Vorwürfe gegen Gutachter

Haftbefehl aufgehoben

Günther Schmiedel, der im bisher aufwendigsten Hamburger Demonstranten-Prozeß am 12. September zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, ist seit Freitag nachmittag wieder auf freiem Fuß. Die Große Strafkammer 13 des Hamburger Landgerichts hob den Haftbefehl auf Grund einer Beschwerde der Verteidiger auf, da keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr mehr bestehe.

Das Schöffengericht hatte Schmiedel ? wie berichtet ? für schuldig befunden des schweren Landfriedensbruchs, des schweren Aufruhrs, Widerstandes, der Sachbeschädigung, Körperverletzung und Beleidigung. Sowohl gegen den Schuldspruch, als auch gegen das Strafmaß hatten Schmiedeis Verteidiger Berufung eingelegt. Aus diesem Grunde konnte der Haftbefehl nicht länger aufrechterhalten werden.

Günther Schmiedel, der am 4. Feburar dieses Jahres auf dem Gelände der Universität festgenommen worden war und seitdem in Untersuchungshaft saß, wurde von einer Gruppe von etwa 20 APO-Anfhängern vom Gefängnis abgeholt. Schmiedel sah blaß aus und sagte kaum ein Wort.

Wenige Stunden vorher hatte der SDS-Ideologe Karl-Heinz Roth auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben", daß er gegen den Kronzeugen im Schmiedel-Prozeß, einen Beamten der Politischen Polizei, Strafantrag wegen Meineides gestellt habe. Gleichzeitig wurden von dem Psychologen Dr. Maisch schwere Vorwurf"! gegen einen Gutachter erhoben, der Schmiedel während des Prozesses in einem Haftprüfungsverfahren die Haftfähigkeit bescheinigt hatte. Der Gutachter habe nur auf Grund eines einmaligen Besuches in der Haft geurteilt und Schmiedeis Haftpsychose nicht erkannt, frk'sic

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