Schwimmer Barth sitzt auf gepackten Koffern

Eigener Bericht

Bremen, 1. Oktober

"Unser bester Brustschwimmer bleibt zu Hause. Wenn überhaupt ein DSV-Mann in Mexiko unter 2:30 Minuten bleiben kann, dann ist es der Bremer Klaus Barth." Kein anderer als der ehemalige Verbandstrainer des Deutschen Schwimmverbandes und heutige Mainzer Sportdozent Janos Satori prägte dieses Wort, als Klaus Barth bei den Deutschen Meisterschaften Ende August in Berlin über 200 m Brust mit dem sechsten Platz zufrieden sein mußte.

Noch einmal versuchte der 19jährige Werkzeugmacherlehrling aus Bremen sein Glück bei einem zusätzlichen Qualifikationsschwimmen in Wuppertal. Die zu harte Olympianorm war stillschweigend auf 2:31,5 Minuten reduziert worden. Klaus Barth gewann zwar, aber 2:32,8 Minuten waren dem Nationalen Olympischen Komitee noch zuwenig.

Dennoch hat Klaus Barth jetzt eine große Chance, als letzter und damit als 298. deutscher Olympiakämpfer für die Schwimmwettbewerbe in der 10 000 Zuschauer fassenden "Alberca Olympica" nominiert zu werden. Nach einem eindrucksvollen Rekord von 2:30,7 Minuten auf der Berliner 50-m-Bahn wurde man im Deutschen Schwimmverband und auch im NOK noch einmal hellhörig und sich vielleicht auch der eigenen kostspieligen Schuld bewußt. Denn der junge Bremer, 1967 Nummer acht der Weltrangliste, war wegen seines Könnens im April vom DSV und mit Förderung der Deutschen Sporthilfe und des NOK für vier Monate ins US-Schwimmzentrum Santa Clara geschickt worden.

Die mit 7500 Mark aufgepäppelte Medaillenhoffnung trog: Klaus Barth bekam Santa Clara nicht. Im Gegenteil: Der Bremer Brustschwimmer kehrte in erschreckend schwacher Form zurück.

Einmütigkeit aber herrscht nach wie vor unter den deutschen Schwimmtrainern darüber, daß Klaus Barth trotz allem der stärkste Brustschwimmer der Bundesrepublik und einer der besten der Welt ist. Ob er allerdings den Wahrheitsbeweis für diese Meinung antreten kann, wird sich erst in diesen Stunden entscheiden. NOK- Geschäftsführer Karlheinz Gieseler und NOK-Präsident Willi Daume haben zwar ihr Jawort gegeben, aber Gieseler traf erst iwei Tage vor dem offiziellen Meldeschluß in der Olympiastadt ein.

Klaus Barth sitzt in Bremen auf gepackten Koffern. Er hofft fast minütlich auf den befreienden Anruf aus Frankfurt, mit dem ihm Stunde und Ort seines Abflugs mitgeteilt wird. DETLEF PETERSEN

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