Ein Mini-Musical made in Hamburg

Jupiter lacht in Baden-Baden

In Baden-Baden gab's ein Hamburger Rendezvous. Dr. Hans Penzoldt, bis Ende der vorigen Spielzeit Chefdramaturg im Deutschen Schauspielhaus und seither Intendant des Theaters der badischen Nobel-Kurstadt , präsentierte das Mini-Musical "Jupiter lacht". Er hatte die Musik bei Eckart Ihlenfeld, Blacher-Schüler und Leiter der Bühnenmusik am Deutschen Schauspielhaus, in Auftrag gegeben. Den Text schrieb ihm Rolf Wilken, sein Chefdramaturg. Wilken ist nicht minder hamburgisch infiziert. Hier studierte er, hier machte

er vor allem als Leiter der von ihm ins Leben gerufenen Studiobühne an der Universität von sich reden. Bis zum Ende der Ära Schuh betätigte er sich in der Kirchenallee als Dramaturg, aber auch als Schauspieler.

Was hat nun dieses Hamburger Trio zusammengebraut? Man beschwor John Dryden, den englischen Dichter des 17. Jahrhunderts, und seine höchst muntere und einst puritanische Zeitgenossen erschreckende Fassung des unsterblichen "Amphitryon"-Stoffes. Rolf Wilken verfuhr nicht gerade zimperlich mit dem Briten und gagte das Vorbild mit zeitgenössischer Keßheit auf. Blues, Chacha-cha-Rhythmen, gelegentlich auch Anleihen bei Kurt Weill (wenn gesellschaftskritische Tupfer im Brecht-Stil es zulassen) bestimmen die flotte Musik Ihlenfelds. Besonders hübsch Bühnenbild und Kostüme von Herbert Stahl, der mit Arbeiten u. a. an der Hamburgischen Staatsoper aufgefallen ist.

Nur die Darsteller hatten mit Hamburg gar nichts zu tun. Sie erledigten ihre Aufgabe recht flott. Unser Foto zeigt Hermann Röbeling als den in Amphitryon verwandelten Jupiter und Eva Astor als Alkmene. Das bezaubernde kleine "Hoftheater" mit seinem Goldstuck, "Fürsten"-Logen und altertüm? lieh weißem Gestühl gab den rechten Rahmen für die sehr beifällig aufgenommene Süß-Speise der Hamburger.

Ewie

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