Seeverkehrsbeirat tagte in Lübeck

Noch kein Europa der Schiffahrt

Lübeck, 24. Januar Der gegenwärtige Mitgliederkreis der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft kann eine eigene Schiffahrtspolitik des Gemeinsamen Marktes etwa vom Gewicht der Agrar- oder Industriepolitik noch nicht zur Geltung bringen.

Diese Auffassung vertrat der frühere Leiter der Abteilung Seeverkehr im BVM, Ministerialdirektor a. D. Dr. Karl Schubert, in Lübeck auf der Sitzung des Seeverkehrsbeirates, die von Bundesverkehrsminister Georg Leber geleitet wurde.

-Das wäre anders, wenn die anderen europä-

ischen Wirtschaftsblöcke, insbesondere die EFTA, mitwirken würden, so daß dann so etwas wie eine europäische See-Schiffahrtspolitik begründet werden könnte", meinte Schubert.

Bei der Eröffnung der Sitzung hatte Minister Leber darauf verwiesen, daß der Seeverkehrsbeirat bei seiner ersten Sitzung im Jahre 1950 ebenfalls in Lübeck die Vorbereitungen für den Wiederaufbau einer deutschen Handelsflotte geleistet hatte. "Für die deutschen Seehäfen und für die Schiffahrt haben wir in der Zwischenzeit einiges getan und werden weiter erhebliche Anstrengungen unternehmen", sagte er.

Anstrengungen auf breitester internationaler Basis zur Schaffung einer neuen schiffahrtspolitischen Konzeption forderte Richard Bertram, Vorstandsmitglied des Norddeutschen Lloyd und Verwaltungsratsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder. Auf privater Ebene rief Bertram zu einer weiteren Reorganisation des Konferenzsystems auf, wobei man um eine erhöhte Anerkennung des Anspruchs der Flagge auf nationale Ladung nicht herumkommen würde. Der schleswig-holsteinische Minister für Wirtschaft und Verkehr, Knud Knudsen, sprach sich für den Ausbau und Modernisierung des Elbe-Lübeck-Kanals aus. Die Landesregierung habe enstprechende Beschlüsse gefaßt. Auch für den Nord-Ostsee-Kanal habe das Land konkrete Wünsche. Der Kanal stelle die Lebensgrundlage für zahlreiche Unternehmen, vor allem des mit der Seeschiffahrt zusammenhängenden Dienstleistungsgetverbes, dar. "Die in den letzten Jahren sichtbar gewordenen erheblichen Schäden zeigen, wie dringend nötig es ist, diese Wasserstraße für größere Schiffstypen auszubauen." Mit einem Dank an den aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Ministerialdirektor Dr. Schubert schloß Minister Leber die Zusammenkunft. In Würdigung der von Schubert seit der Nachkriegszeit für den Seeverkehr geleisteten Arbeit überreiche ihm der Minister das Große Verdienstkreuz mit Stern.

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