Unser Garten im Zimmer:Deshalb wäre ein Steckbrief angebracht

Schwer setzen sich "neue" Pflanzen durch

Topfpflanzen, die im Winterhalbjahr blühen, sind die besondere Freude der Blumenliebhaber. Aber auch wenn jemand mit den Blumen weniger vertraut ist und in diesen Tagen in die Verlegenheit kommt, der Nachbarin zur Silberhochzeit oder der Tante zum 60. Geburtstag gratulieren zu müssen, dann sieht er sich nach etwas Blühendem um.

Hier tut sich jedoch ein Mißverhältnis auf. Die Zahl derer, die sich selbst oder anderen eine blumige Freude machen möchten, ist groß, die der wintertags blühenden Topfpflanzen aber so klein, daß vielerorts die Gärtnereien und Blumengeschäfte über ein tapfer gehegtes Sortiment von Azaleen und Alpenveilchen nicht hinauskommen.

So geschieht es dann, daß sich Tante Lotti zum 60. und die Nachbarin zur Silbernen vor Alpenveilchen nicht retten können und der Ausruf "Oh, wie hübsch...!" beim zwölftenmal doch schon wesentlich matter klingt als bei der

ersten Alpenveilchen schenkenden Besucherin.

Doch die Blumenhändler sagen mit Recht, das sei gewiß nicht ihre Schuld. Wie jedermann weiß, ist das Blumengeschäft mit Risiken verknüpft. Blumen sind lebende Ware, die mancherlei Gefahren ausgesetzt ist. Von allen Gefahren die größte aber ist, daß sie nicht gekauft werden.

Und warum werden sie nicht gekauft? Weil "die Leute", sagen die Blumenhändler, immer wieder nur das nehmen, was sie kennen.

Alles Neue aber ( neu ist auch, was vor zehn Jahren in den

Handel gekommen ist") wirkt eher abschreckend als anziehend. Jedenfalls bei Blumen und Pflanzen ist das so. Hier läßt man sich am allerwenigsten gern auf Experimente ein. Denn ein Experiment ist es doch, etwas Unbekanntes zu erwerben, es weiterzuverschenken oder gar selbst zu behalten, wo man doch nicht weiß . . .

Dieses Nichtwissen also ist der eigentliche Grund, der die Käufer bedrückt und die Verkäufer nicht froh macht, und letzten Endes die Ursache dafür, daß sich auch das zehn Jahre alte "Neue" nur schwer durchsetzen kann. Deshalb ist manchmal ein Pflanzen- Steckbrief so nötig. Man muß, bevor man etwas kauft, auch wissen, mit wem man es zu tun hat, dann ist der erste Kontakt schon hergestellt.

Denn leider haben Blumen (meistens) keine Namen. Jedenfalls in den betörend schön dekorierten Blumenschaufenstern nicht. Das Angebot ist bezaubernd, aber anonym. Du steht eine Lorrainebegonie neben dem Anthurium, die goldgelb oder korallenrot blühende Kalanchoe neben den Blumenähren der Billbergia

und niemand traut sich, nach

der "Flamingoblume" (Anthurium), dem "Flammenden Kätchen" (Kalanchoe) oder gar dem

..Zimmerhafer" (Billbergia) zu fragen. Wie wäre

es, jeder Blume eine Visitenkarte ans Töpfchen zu hängen ? und man wäre sich schon ein gutes Stück nähergekommen?!