Schlag nach bei Shakespeare

"Kiss me Kate" im Jungen Theater

Zu Silvester geht's an der Mundsburg musikalisch zu. Mit Cole Porters "Kiss me, Kate"-Melodien singt sich das muntere Ensemble unter Ottokar Runzes Regie ins neue Jahr. Ballett und ein Zehn-Mann-Orchester bringen Schwung in die nun auch schon bald klassische Shakespeare-Verarbeitung. Die Premierengäste applaudierten dankbar und ausdauernd.

Mit Musik wird das widerspenstige Kätchen doppelt gezähmt, muß dafür aber auch die zweifache Ration Schläge einstecken. Was der "Schwan von Avon" mit dem rauflustigen Mitgiftjäger Petrucchio und seiner Kratzbürste aus Padua aufs Welttheater gebracht hat, läßt das Autorenpaar Samuel und Bella Spewack gleich zweimal abspielen: als Bühnenprobe zur musikalisch verbrämten "Zähmung der Widerspenstigen" und als Dauerkrach zwischen den bürgerlich bereits geschiedenen Hauptdarstellern vor und hinter den Kulissen. Außer dem doppelten Kätchen muß auch der Dompteur einiges in Kauf nehmen; er kommentiert sein Leiden als realistischer Schauspieler mit der Feststellung, daß das Stück doch gar nicht "Der Mann, der die Ohrfeige bekam" hieße.

Das auf den Tag genau vor 20 Jahren in New York uraufgeführte Musical, das sich auf deutschen Bühnen ein bißchen rar gemacht hat, scheint durch seine Doppelbödigkeit immer noch etwas spröde. Es muß schon shakespearisch gut besetzt sein, um nicht in zwei Stücke auseinanderzufallen. Im Jungen Theater hat Ottokar Runze alles Mögliche möglich gemacht. Günter Ulikowskis illusionsloses Bühnenmilieu wird nicht nur durch das streitbare, dafür aber stimmlich harmonische Liebespaar belebt. Das bei Shakespeare noch recht stille Paar Bianca/Lucentio ist hier ebenfalls quicklebendig. Und das von Sam Sanders dirigierte, wie alle Mitspieler von Maleen Pacha mit Pfiff kostümierte Ballett füllt die manchmal sehr spürbaren Handlungslücken mittels Bewegungstherapie zu den von Nils Sustrate schmissig instrumentierten Melodien.

Das so ungern küssende Kätchen wird von Violetta Ferrari als gelocktes Trotzköpfchen mit einer tüchtigen Portion Clownerie und mit Liz-Taylor-Image auf die Szene gestellt. Sie und der in allen Sparten sattelfeste Hans Putz haben noch den Hauch von Shakespeare, den die amerikanischen Komödiendichter dem zweiten Gespann (sehr flott: Inken Sommer und Utz Richter) trotz aller Keßheit vorenthalten mußten. Obwohi die beiden Ganoven (Klaus Löwitsch und Benno Hoffmann) ihren bekannten Song "Schlag nach bei Shakespeare" reichlich dick auftrugen, zündete die Schlagernummer sofort; die beiden ernteten brausenden Beifall. Aus der Reihe der Solisten müssen noch Ursula Gempf (Hattie), Rudolf Geske (Garderobier) und Joachim Rake genannt werden. Serienerfolg in Sicht.