Vorsätze

XTeute werden auch vernünftige Fami- -*??*? lienväter unvernünftig hohe Summen verschwarzpulvert haben, denn wenn es gilt, mit donnerndem Salut das neue Jahr zu begrüßen, greift man in Hamburg tief in die Taschen. Emanuel pflegt in der Stunde, wo alles in die Luft geht, am Boden zu bleiben. Er tut das ganz bewußt, weil er in tiefer innerer Sammlung versucht, seine guten Vorsätze für das neue Jahr zu ordnen. Da ist noch die Theodor-Storm- Ausgabe, die seit der Konfirmation 1956 ungelesen im Schrank steht. Weniger rauchen, mehr Spazierengehen, weniger Auto fahren, Brief an Tante Clara schreiben wegen der Karte, die sie zu Weihnachten geschickt hat, Steuern

pünktlicher bezahlen, Sport treiben (Minigolf reicht l nicht). Bücherschrank streichen und vieles, vieles andere mehr. Und nachdem Erkmuel sich solcherart die Unzulänglichkeiten und Untaten des letzten Jahres vorgehalten hat, nimmt er die sechs gehamsterten Knallerbsen aus der Tasche und tanzt darauf herum. Zwei reagieren mit schwachem Knall. Plötzlich erinnert er sich an den Jahresbeginn 1968, es muß wohl so Mitte Februar gewesen sein. Damals sagte Emanuels Frau: "Was sollen eigentlich diese acht Storm-Bände auf dem Couchtisch?" Ich habe sie seit Neujahr schon zwanzigmal weggeräumt. Liest du eigentlich darin?" Emanuel las nicht. Trotzdem wird er auch diesmal 1969 den Storm aus dem Schrank holen, sei es nur deshalb, weil der Schrank gestrichen werden muß. EMANUEL